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Elle
Elle
© Sony Pictures Classics

Kritik: Elle (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der niederländische Filmemacher Paul Verhoeven, der in seiner Karriere so unterschiedliche Werke wie "RoboCop" (1987), "Basic Instinct" (1992), "Showgirls" (1995) und "Starship Troopers" (1997) realisierte, legt mit "Elle" eine extrem spannungsreiche Melange aus hartem, beklemmendem Thriller und bitterböser Gesellschafts- sowie Business-Satire vor. Seit der Premiere der französisch-deutsch-belgischen Koproduktion auf dem Festival de Cannes 2016 regnete es Nominierungen und Auszeichnungen – was angesichts des schwierigen Themas durchaus zu überraschen vermag: Die Adaption des Romans "Oh…" von Philippe Djian, zu welcher David Birke das Drehbuch verfasste, ist gewissermaßen eine Arthouse-Version des Rape-and-Revenge-Films, mit geschliffenen Dialogen voller Malicen sowie mit komplexen Figurenverhältnissen und einem superben Ensemble. Hinzu kommt ein cleveres Spiel mit der Erwartungshaltung des Publikums, mit dessen Schaulust sowie mit Denk- und Darstellungsklischees.

Das Skript und dessen Umsetzung sind nicht an billiger Provokation und einer Ausbeutung des Sujets interessiert; vielmehr geht es um eine subtile Analyse von Machtstrukturen – im Privaten und Beruflichen, im Familiären, Amourösen und Sexuellen, zwischen den Geschlechtern sowie zwischen Eltern und Kindern. Mal begibt sich "Elle" hierfür in die dunkelsten Ecken des Zwischenmenschlichen, mal schlägt der Film verblüffenderweise den Ton eines äußerst schwarzhumorigen Boulevardstücks an, wenn er sich etwa der grotesk-ungesunden Beziehung zwischen dem erwachsenen Sohn der Protagonistin und dessen Freundin widmet. Dass diese Gratwanderung, dieses Jonglieren mit Genre-Elementen durchweg funktioniert, ist zum einen der pointierten, aber doch stets glaubhaften Milieuschilderung zu verdanken: Die Arbeits- sowie die Lebenswelt der wohlhabenden Hauptfigur Michèle – die hippen Firmenräume oder die stilvolle Vorstadtvilla, die zum Tatort wird – werden in treffenden Bildern, Worten und Gesten zum Ausdruck gebracht und mit einem gelungenen Score (von der Britin Anne Dudley) unterlegt.

Zum anderen profitiert "Elle" zweifelsohne von der furchtlosen Performance von Isabelle Huppert. Die französische Edelmimin verkörpert den Part dieser erstaunlich unberechenbaren und überaus wehrhaften Frau mit einer Hingabe, die ihresgleichen sucht. Von besonderem Witz sind vor allem Hupperts Interaktionen mit Charles Berling als Michèles Ex-Mann.

Fazit: Ein sehr ungewöhnlicher Mix aus Psychothriller und filmischem Sittengemälde, virtuos geschrieben und inszeniert – und mit Isabelle Huppert perfekt besetzt.





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