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Seit die Welt Welt ist (2016)

Desde que el Mundo es Mundo

Dokumentarfilm über einen spanischen Bauern und seine Familie.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Der 55-jährige Landwirt Gonzalo lebt mit seiner Frau Rosa in dem Dorf Vadocondes in der spanischen Provinz Burgos. Er hat drei erwachsene Söhne, von denen einer den bäuerlichen Betrieb übernehmen soll. Doch Gonzalo hat es trotz harter Arbeit schwer, über die Runden zu kommen. Gut, dass seine Frau als Krankenschwester in der Stadt arbeitet. Der Dokumentarfilm beobachtet das Familienleben und Gonzalos Tätigkeiten im Jahreskreislauf. Dazu erzählt der Bauer ein wenig über den Ort, seine Ansichten und Erfahrungen.

Ein Schwein wird geschlachtet. Die Familie macht den Schinken selbst, wie auch ihren Rotwein. Neben dem Weinberg hat Gonzalo auch Kartoffel-, Zuckerrüben-, Mais- und Getreidefelder. Er sagt, dass er immer mehr Fläche braucht, um den Betrieb rentabel zu halten. Die jungen Dorfbewohner ziehen weg, weil es in der Region keine Arbeit gibt. Schon jetzt leben nur noch 300 Einwohner in Vadocondes, davon sind die Hälfte Rentner. Im Sommer aber kommen viele Weggezogene während des Urlaubs in ihr Heimatdorf zurück, dann ist die Zeit der Dorffeste.

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Seit die Welt Welt istSeit die Welt Welt ist


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der österreichische Dokumentarfilmer Günter Schwaiger begibt sich mit seinem Porträt eines spanischen Bauern auf die Suche nach dem Lebensgefühl in einer von Landflucht von Wirtschaftskrise geprägten südeuropäischen Region. Wird die bäuerliche Kultur der Familienbetriebe aussterben, weil sich die schwere Arbeit kaum mehr rentiert und die Dörfer verwaisen? Der 55-jährige Gonzalo ist fest verankert in der Tradition seiner Heimat, sein Leben ist bestimmt von den Arbeiten im Jahreskreislauf. Indem die Kamera ihm dabei über die Schulter schaut, bedient sie einerseits die großstädtischen Sehnsüchte nach der Sinnlichkeit des Landlebens. Andererseits aber wird auch deutlich, dass diese scheinbare Idylle Genügsamkeit voraussetzt und mit ihren vielen Entbehrungen anachronistisch anmutet.

Gonzalo weiß, dass ein gutes Erntejahr von schlechten gefolgt wird. Ein Bauer muss Rücklagen bilden für Krisenzeiten mit Missernten, für teure Geräte und Maschinen. Er spricht ernüchtert von einer "Mafia", wenn es um die Handelsbedingungen der Lebensmittelindustrie geht: Verkaufsverträge für die angebauten Produkte gebe es nur, wenn der Bauer im Gegenzug auch immer wieder bestimmte Pflanzensamen kaufe. Zu schaffen machen ihm auch die Wildschweine, die sich im Maisfeld tummeln oder die Unbekannten, die im Schutz der hohen Pflanzen Marihuana anbauen. Und dann gibt es immer wieder diese Kleinigkeiten, die große Folgen nach sich ziehen: Der Sohn hat ein Feld nicht sorgfältig genug bewässert, eine Frostnacht hat den draußen gelagerten Zuckerrüben fatal zugesetzt. Aber wenn der neue Wein verkostet wird, ist Gonzalo stolz auf seine Qualität. Und dann wird der luftgetrocknete Schinken von der Schlachtung des vorigen Jahres angeschnitten: Die Familie findet ihn schmackhaft, und man ist bei diesen Bildern sofort geneigt zu glauben, dass sich im Laden nichts Besseres finden ließe.

Diese Beobachtungen des Alltags werden flankiert von Aufnahmen aus dem Dorf, von Festen, einem Rockkonzert. Die Bewohner heben ein Massengrab aus – die Franco-Diktatur wird gerade erst aufgearbeitet. Stimmungsvolle Bilder fangen die Landschaft im Wechsel der Jahreszeiten ein. Morgens kräht der Hahn, im Frühsommer wachsen Mohnblumen am Wegesrand, im Herbst zieht eine festliche Prozession durch den Ort, an der die Alten ebenso wie viele junge Leute, die ein wenig tanzen, teilnehmen. So entsteht über diese einzelne Familie hinaus ein sinnliches und besinnliches Porträt einer ländlichen Region zwischen Tradition und ungewisser Zukunft.

Fazit: Der österreichische Dokumentarfilmer Günter Schwaiger begleitet einen spanischen Landwirt im Laufe eines Jahres durch seinen arbeitsreichen Alltag. Diesem sinnlichen, ruhig beobachtenden Porträt gelingt es, das Lebensgefühl in einem vom Aussterben bedrohten Dorf im Süden Europas unmittelbar zu erspüren in seiner komplizierten Mischung aus Genügsamkeit und Erfüllung, Verankerung in der Tradition und Zukunftssorgen.




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Land: Spanien, Österreich
Jahr: 2016
Genre: Dokumentation
Länge: 103 Minuten
Kinostart: 20.10.2016
Regie: Günter Schwaiger
Verleih: Fugu Filmverleih

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