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Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr.
Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr.
© Film Kino Text

Kritik: Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr. (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr" ist das Spielfilmdebüt des Belgiers Xavier Seron. Das Werk erzählt von einer höchst eigentümlichen Mutter-Sohn-Beziehung und schildert in diversen Kapiteln die allumfassende Krise seines Thirtysomething-Protagonisten Michel, der von der Krebsdiagnose seiner Mutter völlig aus der Bahn geworfen wird.

Zu Beginn sehen wir, wie Michel probehalber in einem Sarg liegt – womit Seron (der auch das Drehbuch verfasste) bereits den schwarzhumorigen Ton seines Films anklingen lässt. Die Geschichte besteht aus einer Reihe von skurrilen Sequenzen mit Sketch-Charakter – darunter ein misslungenes Film-Vorsprechen, in welchem Michel eine Sterbeszene präsentieren soll, sowie ein Gruppentanz im Elektromarkt und ein Strandausflug, der zu einem jähen Ende kommt, als Michel und seine Mutter erfahren müssen, dass die Gegend kontaminiert und ein Aufenthalt deshalb gefährlich und verboten ist. Über allem schwebt der Tod – die schwarz-weißen Aufnahmen des Kameramannes Olivier Vanaschen haben, ebenso wie die Dialoge, stets etwas Morbides an sich. Zu den herrlichsten Momenten zählt eine Passage in einer Seniorenresidenz, die gerade renoviert wird, während die Bewohnerschaft inmitten der lärmigen, staubigen Bauarbeiten ihrem Alltag nachgeht. Dies sei nicht weiter schlimm, meint die pragmatische, von Catherine Salée verkörperte Leiterin des Heims – die Leute hier seien ohnehin beinahe taub. Immer wieder fangen Seron und Vanaschen derlei absurde Situationen ein – und finden dabei oft reizvolle Umsetzungsideen. So zeichnet sich etwa der Augenblick, in welchem Michel über den Tod seiner Mutter informiert wird, durch eine bemerkenswert-tragische Poesie aus. Zuweilen arbeitet "Wenn ich es oft genug sage, wird es wahr" in seiner Bildsprache mit religiösen Symbolen, die dem Geschehen noch zusätzlich etwas Surreales verleihen.

Hauptdarsteller Jean-Jacques Rausin spielt die Rolle des Hypochonders Michel mit Hingabe und äußerst furchtlos. Myriam Boyer ("Public Enemy No. 1") leistet dabei als Monique mit ihrer teilweise grotesken, teilweise anrührenden Darbietung perfekte Unterstützung – und auch Fanny Touron zeigt als neurotische Aurélie, die mit ihrem Künstlerinnen-Dasein hadert, eine gute Leistung.

Fazit: Eine Tragikomödie über die Angst vor dem Tod, in morbidem Schwarz-Weiß erfasst – mal amüsant, mal seltsam, stets inbrünstig gespielt.




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