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Terror - Ihr Urteil
Terror - Ihr Urteil
© Constantin Film

Kritik: Terror - Ihr Urteil (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Landauf, landab wurde das gleichnamige Theaterstück von Ferdinand von Schirach, Strafverteidiger und Schriftsteller, in den letzten Monaten an deutschen Theatern gespielt. Nach den Vorführungen sorgte das Stück jedes Mal für viel Diskussion, auch, weil die Zuschauer zum Schöffen erhoben wurden: sie entschieden kurz vor Schluss der Vorstellung, selbst über das Urteil. Exakt so funktioniert auch dieses interaktive TV-Experiment, das bundesweit am 14.10. in einigen deutschen Kinos läuft, um wenige Tage später in der ARD einem Millionenpublikum präsentiert zu werden. Kurz vor der Urteilsverkündung stoppt der Film und der Zuschauer muss entscheiden. Regisseur Lars Kraume drehte zwei Enden des Films und je nachdem wie das Publikum entscheidet, wird es den jeweiligen Schluss zu sehen bekommen. Die ersten 80 Minuten, also kurz vor dem Stopp, zeigen ein hochklassiges Gerichts-Drama mit Kammerspiel-Attitüde, das über einen hervorragenden Cast verfügt.

In dieser Kritik kann nur das beurteilt und kritisiert werden, was im Kino bis zur Entscheidung der Zuschauer gezeigt wurde. Das Ende der TV-Abstimmung wenige Tage später, kann womöglich völlig anders aussehen. "Terror" schöpft alle Möglichkeiten des packenden Gerichts-Kammerspiels aus. Diese leben zu allererst von ihren Darstellern sowie der Emotion und beklemmenden Stimmung im Gerichtssaal. All dies ist hier gegeben. Jene Stimmung und Anspannung kommt in erster Linie dadurch zu Stande, dass Kraume wieder und wieder die Gesichter der Beteiligten – von Koch, seinem Verteidiger, dem Richter, der Anklage und der Zuschauer – in Großaufnahme zeigt und damit ihr Gefühlsleben nach außen kehrt. Und zwar für den Kinobesucher ungefiltert erkennbar, unvermittelt und direkt. Somit werden die Reaktionen der Beteiligten – auf das kurz zuvor Gesagte – sofort deutlich.

Auch darstellerisch ist der Film durchweg überzeugend. Vor allem Fitz als vor Gericht stehender, mutiger aber dennoch von vielen – ob seiner moralisch fragwürdigen Entscheidung – verurteilter Kampfpilot, liefert eine geerdete Performance ab. Ihm ich nichts nach steht Burghart Klaußner, der – wie gewohnt – voll in seiner Rolle aufgeht und diese mit teils versteinerter, resoluter Miene darstellt. Aber dadurch auch so schwer greifbar und unnahbar wirkt. Seinen Figuren sind stets eine gewisse Strenge sowie Kompromiss- und Schonungslosigkeit zu Eigen. Eigenschaften, die für einen Richter in Ausübung seiner Tätigkeit, nicht unbedingt schädlich sind. In einer Szene richtet sich Klaußner ganz direkt an den Zuschauer ("Nehmen Sie ihre Verantwortung ernst") – und durchbricht damit die vierte Wand.

Der Film selbst spielt fast die ganze Zeit über in dem (extrem sterilen, unterkühlt wirkenden) Gerichtssaal. Nur am Anfang ist eine kurze Szene zu sehen, die nicht in dem Raum angesiedelt ist, in dem sich das Schicksal von Koch entscheidet. Ein Grund mehr, die große Leistung von Kraumer und seinem Team anzuerkennen. Sie schaffen es, mit relativ einfachen, fast minimalistischen und extrem bescheidenen Mitteln, einen höchst intensiven und aufwühlenden Film ohne Langatmigkeit zu kreieren.

Fazit: Reduziertes, hochbrisantes und an Aktualität kaum zu überbietendes TV-Experiment und Gerichts-Kammerspiel, das energische Diskussionen und Streitgespräche hervorrufen wird.





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