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Die rote Schildkröte
Die rote Schildkröte
© Universum Film

Kritik: Die rote Schildkröte (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Nicht häufig kommt es vor, dass einem Animationsfilm die Ehre zuteilwird, im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes zu laufen. Bei "Die rote Schildkröte" war dies der Fall, als er im letzten Jahr in der Kategorie "Un certain regard" gezeigt wurde. Zudem erhielt die Produktion in Cannes einen Sonderpreis. Der Film wurde vom bekannten japanischen Ghibli-Studio ("Das wandelnde Schloss") co-produziert, Regie führte der Oscar-erfahrene Michael Dudok de Wit. Im Jahre 2001 erhielt er den begehrten Goldjungen für einen animierten Kurzfilm. Für den britisch-niederländischen Filmemacher und Animationskünstler, ist "Die rote Schildkröte" das Langfilmdebüt.

Rein inhaltlich stecken in dem überwiegend aus handgezeichneten Bildern bestehenden, meditativen Werk eigentlich zwei Filme. Zunächst geht es um den schiffbrüchigen Mann, seine Versuche der Insel zu entkommen und dessen Verhältnis zu einer roten Riesenschildkröte. Im zweiten Teil, nachdem sich das verstorbene Reptil in eine schöne junge Frau verwandelt hat, stehen vor allem die Themen "Familie", "Zusammenhalt", "Verhältnis Mensch-Natur" und "Überlebenskampf", im Zentrum. In beiden Teilen aber spielen die Schildkröten, die sich als bezaubernde, drollige und – auf eine unerklärliche Art – magische Wesen entpuppen, eine wichtige Rolle. Mit der Verwandlung in die Frau, wird "Die rote Schildkröte" zudem surrealer und mystischer, wie es für viele Animes typisch ist.

Der Film unterscheidet sich in fast allen Punkten von typischen Animations-blockbustern aus dem Hause Disney oder Dreamworks. "Die rote Schildkröte" ist meist schwelgerisch und ruhig, ein fließendes, ruhiges Erzähltempo treibt die Handlung voran. Dazu kommen eben jene liebevollen, detailreichen und von Hand gezeichneten Trick-Welten, die den Zuschauer mitten hineinversetzen in die bezaubernde Inselwelt. Zu dieser gehören u.a.: ein wunderschönes blaues Meer, ein dichter und geheimnisvoller Wald und oder auch der goldglänzende Sandstrand. Nichts zu sehen also vom schrillen, lauten Animations-Blockuster-Bombast (Stichwort: Reizüberflutung) der großen Studios.

Der wohl wichtigste Unterschied, der gleichzeitig auch den vielleicht größten Reiz des Films ausmacht: er kommt komplett ohne gesprochenes Wort aus. Lediglich ein paar Laute verlassen die Münder der Figuren, ansonsten kommunizieren sie mittels Gestik und Mimik. Dies hat zur Folge, dass man sich als Zuschauer ganz der musikalischen Untermalung, den malerischen Kulissen sowie vielfältigen Stimmungen und Emotionen auf der Leinwand, hingeben kann. Gegen Ende behandelt der Film auch ein Stück weit die Thematik des (elterlichen) Loslassens. Der Schluss ist reich an Symbolik und auf vielfache Weise zu deuten, letztlich reiht er sich aber stimmig in die spirituelle, magische Atmosphäre des Films ein, die ihn bis dahin kennzeichnet.

Fazit: Symbolträchtiger, aufwendig visualisierter und auf unterschiedliche Weise zu deutender Animationsfilm, dessen herrliche Bildsprache und wichtige Botschaften lange nachwirken.





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