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Kritik: In My Room (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"In My Room" – der vierte Spielfilm des 1969 geborenen Drehbuchautors und Regisseurs Ulrich Köhler ("Schlafkrankheit") – beginnt als realitätsnahe Charakterstudie, in deren Zentrum ein Mann um die 40 steht, der allein in einer kleinen Wohnung lebt, beruflich nicht recht vorankommt und kaum private Bindungen hat. Wir begleiten Armin ins Haus seiner Großmutter und beobachten ihn bei der Interaktion mit seinem Vater. Dann wandelt sich das Werk jedoch in eine dystopische Erzählung: Plötzlich sind die Straßen und Häuser menschenleer – und eine Robinsonade beginnt, die den zunächst so antriebslosen Protagonisten zu einem autarken Leben in der Natur, mit Hühnerstall, Wasserkraftwerk und Pferdewagen motiviert.

Ähnlich wie in Julian Pölslers Umsetzung des Marlen-Haushofer-Romans "Die Wand" gelingt dieser Einbruch des Fantastischen in eine anfangs sehr authentisch anmutende Lebenswelt gerade deshalb so gut, weil die surrealen neuen Gegebenheiten betont zurückhaltend und dadurch überaus glaubwürdig eingefangen werden. Köhler und seinem Stammkameramann Patrick Orth geht es nicht darum, ein spektakuläres Endzeitszenario zu entwerfen, sondern in starken Bildern den inneren Zustand von Armin auf die Spitze zu treiben: verlassene Gebäude, herrenlosen Fahrzeuge, alsbald verwilderte Gärten und Geschäfte. Der vermeintliche Traum, der Zivilisation zu entfliehen, seine Ruhe zu haben und ein Dasein in völliger Unabhängigkeit zu führen, ist ebenso trügerisch wie die Freiheit, die der ungebundene Armin zu Beginn des Films zu haben scheint: "Sich nicht festzulegen wie Armin, bedeutet nicht, dass alle Türen offen bleiben", merkt Köhler in einem Regiestatement treffend an.

Überdies verfügt "In My Room" mit Hans Löw ("Hedi Schneider steckt fest", "Alles ist gut") über einen hervorragenden Schauspieler. Wenn sich Armin in der Natur eine neue Welt schaffen will, bringt Löw diese Entwicklung der Figur überzeugend zum Ausdruck. Und wenn Armin schließlich auf die von der italienischen Schauspielerin Elena Radonicich verkörperte Kirsi trifft und hofft, mit dieser gewissermaßen als Adam und Eva im Paradies eine Familie zu gründen, wird der Konflikt zwischen Armin und Kirsi ebenfalls nachvollziehbar vermittelt. Denn während er nun sesshaft werden möchte, erweist sich die Frau als rastlose Jägerin.

Fazit: Ein klug erzählter Film mit eindrücklichen Aufnahmen und einem exzellenten Hauptdarsteller.




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