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Kritik: Kater (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Ab und an sitzt der Schriftsteller, Dramatiker, Librettist und Schauspieler Klaus Händl, der als Künstler unter dem Namen Händl Klaus firmiert, auch auf dem Regiestuhl. Sein Debüt gab der Österreicher 2008 mit "März". "Kater" ist sein zweiter abendfüllender Spielfilm. Dessen Thema ist ähnlich düster. Während "März" die Nachwehen eines dreifachen Suizids in einem Alpendorf einfing, lotet "Kater" die Untiefen einer Beziehung aus. Und auch hier bringt eine Gewalttat alles ins Rollen.

Zunächst deutet nichts auf eine Krise hin. Händl nimmt sich etwas mehr als eine halbe Stunde Zeit, um das scheinbar perfekte Leben des Liebespaars auf der Leinwand zu entfalten. Andreas (Philipp Hochmair) und Stefan (Lukas Turtur) sind Genussmenschen, schwelgen in klassischer Musik oder Jazz, entspannen bei einem guten Buch oder beim Kochen und Essen, ob zu zweit oder mit Kollegen. Mit seiner agilen, ans Dokumentarische erinnernden Kamera durchmisst Gerald Kerkletz die stilvoll eingerichteten Räume und den weitläufigen Garten des gemeinsamen Hauses.

Händl inszeniert diesen Zustand ganz bewusst paradiesisch, zeigt das Paar beim Schmusen mit Kater Moses oder beim impulsiven Liebesspiel. Schon im Winter bewegen sich Andreas und Stefan auffällig häufig nackt durch ihr Haus. Im Frühjahr und Sommer liegen sie dann auch im abgeschiedenen Grün wie Gott sie schuf. Wie in der Bibel bedeutet ein Tabubruch, der in seiner unvorhergesehenen Drastik das Publikum nachhaltig schockiert, die Vertreibung aus diesem Paradies.

Danach herrscht eine Sprachlosigkeit, die viel zu lange andauert. An die Stelle erhellender Antworten oder zumindest neugieriger Fragen setzt Händl bedeutungsschwere Blicke und Gesten. Selbst als Stefan beim Fußballspiel mit seinen Kollegen die Nerven verliert, findet keiner Worte. Das packt Händl zwar in starke Bilder, die jedoch alle ein wenig zu gewollt, zu konstruiert und dadurch künstlich wirken. Mit dem Erstarren der Gefühle erstarrt auch die Handlung. Hatte das Publikum bereits vor der Gewalttat ein leicht distanziertes Verhältnis zu Andreas und Stefan, gelingt es ihm danach kaum noch, sich in die Figuren hineinzudenken und einzufühlen. Bis das Paar und damit die Zuschauer ihre Distanz schließlich aufgeben, ist der Film bereits zu Ende.

Fazit: Klaus Händls "Kater" ist ein Beziehungsdrama, das durch eine unerklärliche Tat verstört, aus dieser aber keinerlei Dynamik zieht. Dadurch kommt nie ein Erzählfluss auf. Die große Sprachlosigkeit der Figuren macht diesen Film zu einem äußerst zähen Seherlebnis.





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