VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Hannah - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit
Hannah - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit
© W-film / Connected Pictures

Kritik: Hannah - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Marta György-Kesslers und Adam Pennys Dokumentarfilm krankt an der unhinterfragten Nähe zu seinem Untersuchungsgegenstand. György-Kessler kennt das Ehepaar Nydahl gut, hat durch sie zum Buddhismus gefunden und ist 15 Jahre lang mit ihnen um die Welt gereist. An sich noch kein Problem, wenn die Koregisseurin einen Schritt zurückträte und ihr Thema von außen betrachtete. Doch ihr Blick bleibt begrenzt. Mit Verwandten, Freunden und Bekannten sowie einigen Geistlichen kommen nur Personen aus dem inneren Zirkel zu Wort. Dass György-Kessler ihre enge Verbindung mit den Nydahls zudem mit keiner Silbe erwähnt, sollte auch Gläubige stutzig machen.

Kritische Fragen sucht man dementsprechend vergebens. Dabei gäbe es Anlass genug. Wie lassen sich die buddhistischen Lehren beispielsweise mit der Missionierung vereinbaren? Wie finanzieren Hannah und Ole Nydahl ihre Reisen? Verdienen sie mit ihrer Missionierung Geld und hat das einen Einfluss auf ihre Arbeit? Wie lässt sich das Spirituelle vom Politischen trennen, wenn in der von den Nydahls unterstützen Karma-Kagyü-Schule des tibetischen Buddhismus seit den 1980ern ein erbitterter Machtkampf tobt? Diesen gravierenden Konflikt, der zu einer Spaltung und zwei geistigen Oberhäuptern führte, spricht der Film zwar an, begegnet ihm aber mit einer himmelschreienden Naivität, wie er Hannah Nydahl überhaupt reichlich naiv zur unfehlbaren Säulenheiligen stilisiert.

Was man dem Film zugutehalten kann, ist sein Blick auf die Zeitgeschichte. Der getragene Off-Kommentar, der den Zuschauern die Entwicklung des (tibetischen) Buddhismus in kurzen Passagen nahebringt, liegt über einem Bilderstrom aus Interviews, nachgestellten Szenen und faszinierendem Archivmaterial. Gerade aus diesem können historisch Interessierte einigen Gewinn ziehen. Letztlich täuscht das aber nicht über die allzu beweihräuchernde Verklärung einer zweifelsohne charismatischen Frau und die nur mäßig gelungene Form des Films hinweg, der ästhetisch irgendwo zwischen Guido-Knopp-TV-Doku und Werbeclip schwankt.

Fazit: "Hannah – Ein buddhistischer Weg zur Freiheit" ist ein völlig einseitiger Dokumentarfilm, der es allzu gut mit seiner porträtierten Hauptfigur meint. Statt eines kritischen Blicks haben sich die Macher für Verklärung und Beweihräucherung entschieden und das Ganze in eine Ästhetik gepackt, die zwischen Geschichtsfernsehen und Werbeclip schwankt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.