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Der Hochmut des Himmels
Der Hochmut des Himmels
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Der Hochmut des Himmels (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Der Hochmut des Himmels" ist der neue Film des kolumbianischen Altmeisters Lisandro Duque Naranjo. Der 73-jährige ist seit 1974 im Filmgeschäft aktiv und drehte bisher zehn Filme. Sein bis heute wohl bekanntestes Werk ist das Drama "The Bicycle Racer" von 1983, das im gleichen Jahr auf dem Moskauer Filmfest lief. "Der Hochmut des Himmels" feierte in Deutschland im Herbst dieses Jahres im Rahmen der sechsten Kinotournee spanischsprachiger Filme ("Cinespañol"), Premiere. In der schwarzen Komödie befasst sich Naranjo auf sarkastische Weise mit der Engstirnigkeit und der überzogen konservativen Auslegung des christlichen Glaubens vieler Geistlicher und gläubiger Menschen, die vor allem die ländlichen Gegenden Kolumbiens bevölkern.

Regisseur Naranjo tobt sich in seinem neuen Film komödiantisch gehörig aus und verteilt so manch satirische, bissige Spitze. Diese bekommt in erster Linie der erzkonservative neue Priester der Gemeinde ab, der als unsympathischer, grobkörniger Geistlicher natürlich leicht übertrieben böswillig gezeichnet wird. Aber genau das ist das Merkmal von (auch filmischer) Satire: die Überzeichnung und Überspitzung, die hier auf herrlich komische Weise klar macht, wie steinzeitlich sich so manch einer von Gottes Vertretern auf Erden, brüstet.

Großartig ist eine Szene, in der einer der Brüder des Selbstmörders versucht, dem Priester die Lage zu erklären, um doch noch ein christliches Begräbnis für seinen Bruder zu erhalten. Der Geistliche verlangt von dem jungen Mann, ihn "Vater" zu nennen, betrachtet sich selbst als umsichtiger Hirte einer Reihe von Schafen (seine Gemeinde bzw. deren Bewohner) und legt eine derart widerwärtig-großkotzige Art an den Tag, dass es ein leichtes ist, ihn nicht zu mögen. Trotz der Tatsache, dass sich die Familie nie etwas hat zu Schulden kommen lassen und allesamt fromme Christ sind, verweigert der religiöse Hardliner dies jedoch. Und nicht nur das: der Priester weigert sich auch, der Gemeinde fortan jegliche Sakramente zu erteilen.

Für die streng gläubigen, gottesfürchtigen Bewohner ist das natürlich eine Katastrophe. Von nun an ist es nicht mehr möglich, Kinder taufen und sich die Beichte abnehmen zu lassen. Auch kirchliche Eheschließungen gehen nun nicht mehr. Für ein kurz vor der Hochzeit stehendes Paar des Dorfes ist dies freilich der Supergau. Denn schließlich habe man nun alle Einladungen umsonst geschrieben. Und würde man in einer anderen Stadt heiraten, würden weniger Gäste kommen. Die Folge: weniger Geschenke für das Brautpaar. Es bereitet Naranjo reichlich Freude, die Bewohner, von denen manche tatsächlich nur für ihren Glauben zu leben scheinen, aufs Korn zu nehmen. Einige von ihnen erscheinen beschränkt und selten dämlich oder teils als fremdgesteuerte Fanatiker, denen nichts heiliger ist als die Sakramente bzw. ihr Glaube. In einer (mal wieder herrlich grotesken) Szene versuchen einige der Bewohner ihren "Hirten" zu überzeugen, von seiner harten Linie abzurücken. Man diskutiert darüber, dass man doch zumindest vielleicht zwei oder drei, eben "die wichtigsten Sakramente", weiterhin erteilen könne.

Diese und viele andere Szenen im Film machen klar, wie abhängig sich die Menschen von der Institution Kirche machen und damit ein Stück ihres eigenen Ehrgefühls und ihrer Individualität aufgeben. Sie machen sich abhängig von einer in die Jahre gekommenen, altertümlich und reichlich verstaubt anmutenden Einrichtung. Naranjo serviert diese Erkenntnis extrem satirisch, aber in jeder Satire steckt bekanntlich auch ein wahrer Kern.

Fazit: Überspitzte, schwarzhumorige Satire mit bissigen Zoten und deftigen Spitzen gegen überzogenen Konservatismus, fanatische Religiosität sowie beschränkte und engstirnige Kleinstadtbewohner.





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