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Kritik: Wild Plants (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Seit Millionen von Jahren schon ist der Mensch mit der Pflanzenwelt aufs engste verbunden. Die bunte, vielseitige Welt der Flora führt ihn zu den eigenen Wurzeln – zeigt aber auch neue Lebensformen und Gestaltungsmöglichkeiten auf. So z.B. wenn Menschen aus nicht genutzten Gebieten neuartige botanische Welten und Anbauflächen entwerfen, inmitten wilder Plantagen leben oder die Kunst des Gartenbaus erweitern sowie mit dieser experimentieren. All diese Themen und Aspekte finden sich wieder in "Wild Plants", dem ersten Film von Nicolas Humbert seit sechs Jahren. Bekanntheit erlangte der vor allem auf Dokus spezialisierte Filmschaffende mit seinem Werk "Step across the Border" über einen vagabundierenden britischen Musiker.

Die Porträtierten im Film, so z.B. der Züricher Guerilla-Gärtner Maurice Maggi oder der amerikanische Ureinwohner und Philosoph Milo Yellow Hair, haben eines gemeinsam: sie wollen zurück zu den Ursprüngen des Menschen, dem Kern des Lebens. Die meisten von ihnen haben der heutigen, von Hektik und Stress geprägten Konsumgesellschaft, den Rücken gekehrt. Ihnen kommt es auf die Grundbedürfnisse an. Und jene bestehen nicht aus ständiger Erreichbarkeit, den neusten technischen Gimmicks sowie Statussymbolen. Sie manifestieren sich vielmehr in dem Wunsch nach dem Einklang mit sich und der umgebenden Natur. Und: im Streben danach, von dem leben zu können was man selbst – mit den eigenen Händen – erschafft und anbaut. Die Menschen in "Wild Plants" dabei zu beobachten, hat etwas zutiefst hypnotisches und meditatives. Das gesprochene Wort steht im Film auch nicht im Zentrum. Überhaupt dauert es recht lange, bis einmal das erste Wort fällt.

Den Kern und Sinn des Lebens sehen die Protagonisten – die nicht näher vorgestellt werden – also darin, das Verhältnis zur Natur zu hegen und pflegen. Ebenso wie sie es mit ihren Pflanzen – teils biotopischen Kleinoden mitten im Nirgendwo – tun. Ihr Ziel: neue Formen des Zusammenlebens und des Daseins auf der Welt zu kreieren, den Blick dafür zu erweitern. "Wild Plants" macht dies auf eindrucksvolle Weise klar, da der Film dem Zuschauer eine ganze Reihe von Projekten und Bewegungen detailliert näher bringt, die sich genau diesen Aspekten widmen: dem Urban Gardening, Stadtimkern oder dem Guerilla Gardening, das ursprünglich eine Waffe zum Ausdruck politischen Protests war. Heute steht Guerilla-Gardening vor allem für das Ziel, brachliegende Areale und Flächen für die Ernte zu nutzen sowie triste Innenstädte zu verschönern.

Die Anhänger aller Bewegungen kommen hier ausführlich zu Wort und schildern nachvollziehbar und jederzeit reflektierend, ihre Sicht der Dinge sowie die Motivation für ihr tun. Humbert beweist zudem einmal mehr sein Gespür für authentische, kluge und unverstellte Alltagsbeobachtungen. Außerdem macht er klar, wie weit sich die meisten Menschen heute von der Natur – und ihrem Nutzen – entfernt haben. Die Porträtierten zeigen, wie es anders geht.

Fazit: Aufschlussreiche, poetisch gefärbte Dokumentation über das Verhältnis des Menschen zur Pflanzen- und die ihn umgebende Umwelt. "Wild Plants" stellt auf informative und spannende Weise, ausgewählte Bewegungen und Projekte vor, die beweisen: Mensch und Natur gehören zusammen, können einander ergänzen und extrem voneinander profitieren.





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