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Neo Rauch - Gefährten und Begleiter
Neo Rauch - Gefährten und Begleiter
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Neo Rauch - Gefährten und Begleiter (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Neo Rauch – Gefährten und Begleiter" stammt von der auf Dokumentationen spezialisierten Regisseurin Nicola Graef, die auch als TV-Journalistin und Drehbuchautorin tätig ist. Um deutlich zu machen, was genau die Faszination der magischen Bilderwelten Rauchs, die auch von Pop Art und von Comic-Kunst beeinflusst sind, ausmacht, begleitete Graef den Maler für rund drei Jahre. Sie war sowohl bei öffentlichen Veranstaltungen, wie etwa Vernissagen, aber nicht zuletzt auch in den heiligen Hallen des 1960 geboren Künstlers anwesend: in seinem Atelier. Dazu sprach sie mit langjährigen Weggefährten, Freunden, Bewunderern aber auch international bekannten Sammlern, die die Werke Rauchs schätzen und lieben.

An einer Stelle des Films betont Rauch wie wichtig es ihm sei, Dinge zu kreieren, zu erschaffen. Die Kunst, die Rauch erschafft, erzielt auf dem Weltmarkt regelmäßig horrende Summen. Doch was ist es, das Rauchs Bilder so anziehend und letztlich auch wertvoll macht? Bilder, die nicht selten von hell leuchtenden Farben und von surreal anmutenden Figuren und Formen geprägt sind, die auf bizarre Art ineinander verschlungen sind. Um sich dem Phänomen Rauch zu nähern, sprach Regisseurin Graef mit einigen der wichtigsten Personen im Leben des Künstlers, eben – wie es der Filmtitel bereits nahe legt – "Gefährten und Begleitern". So kommt u.a. Graefs Frau Rosa Loy zu Wort, die berichtet, wie die Arbeit der beiden Künstler voneinander profitiert und was man vom jeweils anderen lernen kann.

Akribisch genau und kritisch, beobachtet Loy die Arbeit ihres Mannes auf der großen Leinwand und gibt hier und da Tipps, was man dem Bild noch hinzufügen könnte. Das ist insofern etwas Außergewöhnliches, als dass Rauch nicht gerade dafür bekannt ist, Personen von außen einen Einblick in seinen Alltag zu gewähren. Das macht den Film zu etwas Besonderem. Auch interessant sind die Äußerungen vom Leipziger Galeristen und langjährigen Rauch-Freund Gerd Harry Lybke, der von der gemeinsamen Anfangszeit der Geschäftsbeziehung mit dem Maler, der bei seinen Großeltern in Aschersleben aufwuchs, berichtet. Graef besuchte zudem eine ganze Reihe an Sammlern und Rauch-Verehrern, die erklären, was die Bilder, für die sie ein Vermögen ausgeben, für sie so wertvoll macht. Einer bringt in einer Szene wohl das auf den Punkt, wofür auch die anderen Sammler Rauch halten: den gegenwärtig einflussreichsten Künstler Europas.

Diese freilich wenig objektiven, von Begeisterung ab und an ein wenig geblendeten Äußerungen, sind es aber nicht, die den eigentlichen Reiz des Films ausmachen. Es sind die spannenden, aufschlussreichen Bilder und Aufnahmen, die den Künstler in seinem Reich zeigen. Nicht im öffentlichen sondern im privaten Raum, in Rauchs Atelier, in dem die Kunst in aufwendigen Prozessen und teils vielen Monaten, entsteht. Wird Rauch ganz direkt – z.B. nach dem frühen Unfalltod der Eltern – gefragt, dann reagiert er so, wie man es aus den wenigen Interviews von ihm kennt: er spricht mit Bedacht, drückt sich gewählt aus und überlegt lange, bevor er etwas sagt. Insofern gestaltet sich sein Charakter vielleicht ein wenig sie seine Kunst: mysteriös, unnahbar, anziehend.

Fazit: Erhellende, spannende Einblicke in das Leben eines der wichtigsten Protagonisten zeitgenössischer Kunst.





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