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Kritik: Ikimizin Yerine (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"İkimizin Yerine" von Umur Turagay beginnt als klassische, humorvoll erzählte coming-of-age story: Die Protagonistin Çiçek hat genug vom gleichförmigen Kleinstadtleben und sehnt sich danach, dass etwas passiert. Vom immer gleichen Essen in der häuslichen Küche über die familiären, wenig anregenden Fernsehabende bis hin zu stupiden Freizeitbeschäftigungen, an denen Çiçek keinen Spaß findet, wird die Langeweile, die die junge Frau verspürt, nachvollziehbar eingefangen. Das Drehbuch von Pınar Bulut zeichnet eine sympathische Heldin, die von Serenay Sarıkaya mit großer Ausstrahlung verkörpert wird. Wenn Çiçek voller Überdruss von der Dachterrasse aus auf ihren Heimatort blickt, reiht sie sich gekonnt in die Liga der rastlos-neugierigen, heranwachsenden Rebell_innen des internationalen Kinos ein. Dem Konflikt zwischen Çiçek und ihrer Mutter Ülkü wird von Anfang an das nötige Gewicht verliehen; rasch wird deutlich, dass Ülkü ihrer Tochter die eigenen Vorstellungen aufzwingt und sich zugleich seltsam distanziert ihr gegenüber verhält.

Ehe sich die Hintergründe der komplizierten Mutter-Tochter-Beziehung im letzten Drittel der Handlung entbergen und sich "İkimizin Yerine" in ein erstaunlich bitteres Schuld-und-Sühne-Drama wandelt, das unter anderem an die Werke der US-Schriftstellerin Jodi Picoult denken lässt, rückt die Liebesgeschichte zwischen Çiçek und Dogan ins Zentrum. Wie zahlreiche andere romantische Melodramen aus der Türkei – etwa "Senden Bana Kalan" von Abdullah Oğuz oder "Delibal" von Ali Bilgin – schildert der Film das Entstehen und die Hürden der Liebe intensiv, tragisch und mit bemerkenswerter Souveränität. Das Skript und die Inszenierung nehmen sich jedoch Zeit; nie überschlagen sich die Ereignisse. Die Kamera von Yon Thomas erfasst die vergleichsweise unglamourösen Schauplätze und setzt diesen nur gelegentlich recht kitschige (Natur-)Bilder entgegen. Auch die musikalische Gestaltung ist weitgehend unaufdringlich – wodurch die vereinzelten Momente, in denen wuchtige Klänge ertönen, umso wirkungsvoller sind.

Serenay Sarıkaya vermag sowohl in den witzigen Passagen zu Beginn als auch im Zusammenspiel mit ihrem Co-Star Nejat İşler (als Dogan) zu überzeugen. Am eindrücklichsten ist allerdings ihre Interpretation des schmerzhaften Selbstfindungsprozesses, den Çiçek im Finale von "İkimizin Yerine" durchleben muss. Zerrin Tekindor liefert als verhärmte Mutter der Protagonistin ebenfalls eine eindringliche Performance.

Fazit: Gut umgesetzter Mix aus Liebes- und Familiendrama mit starker Hauptfigur und hingebungsvollem Ensemble.




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