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Kritik: Ikinci Sans (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wie schon in "Ya Sonra?" (2011), "Evim Sensin – Du bist mein Zuhause" (2012) oder "Su ve Ateş – Wasser und Feuer" (2013) fungierte Özcan Deniz (der auch als Sänger erfolgreich ist) in "İkinci Şans" als Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller einer romantischen Geschichte. Dies mag hierzulande an Til Schweiger und dessen Werke "Keinohrhasen" oder "Kokowääh" erinnern; Deniz' Arbeiten verfügen jedoch über wesentlich mehr Herz und Charme als die Schweiger-Produktionen. So lässt "İkinci Şans" zunächst eher an die Tom-Hanks-und-Meg-Ryan-Romanze "e-m@il für Dich" (1998) denken, wenn der Held und die Heldin die Online-Unterhaltung ihrer Kinder an sich reißen und sich ganz unverhofft einem virtuellen Flirt hingeben. Dabei fängt Deniz gemeinsam mit seinem Kameramann Olcay Oğuz die Gesichter der beiden Chattenden in vielen Groß- und Detailaufnahmen ein, sodass bereits eine gewisse Intimität zwischen dem zentralen Paar erzeugt wird, ehe es sich überhaupt kennenlernt.

Die erste echte Begegnung zwischen Yasemin und Cemal wird im Stil einer klassischen screwball comedy in Szene gesetzt: Die beiden geraten heftig aneinander – wobei der Antagonismus zwischen ihnen stets auch die uneingestandene Anziehung erkennen lässt. Deniz demonstriert die charakterliche Gegensätzlichkeit der zwei Hauptfiguren schon in der Eröffnungssequenz des Films, in welcher deren Alltag in einer Parallelmontage kontrastiert wird. Während der eitle Cemal, der sich das angegraute Haar färbt, in seinem kühl-durchdesignten Haus wohnt und seine häufig wechselnden, deutlich jüngeren Partnerinnen in sein Restaurant einlädt, führt Yasemin ein bodenständiges Leben. Die enge Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Yasemin und Çiçek steht wiederum im Kontrast zum distanzierten Vater-Sohn-Verhältnis zwischen Cemal und Mahmut.

Während das Skript und die Inszenierung in der ersten Hälfte oft mit Slapstick-Humor und schnellen Dialogen operieren, werden in der zweiten Hälfte in zunehmendem Maß hohe Gefühlstöne angeschlagen. Neben einigen gut funktionierenden Einfällen – etwa einer Spiegelung der love story durch einen Nebenstrang, in welchem Yasemins Kollegin (Aybike Turan) und Cemals Koch (Anıl Altınöz) zueinanderfinden, oder der in diesem Subgenre unvermeidlichen Flughafenszene, die sich hier allerdings nicht zwischen dem Paar abspielt, – gibt es zuweilen auch allzu abgedroschene Plot-Bausteine, wie zum Beispiel eine schlecht getimte SMS einer Ex-Freundin von Cemal. Insgesamt überwiegen aber Witz und Aufrichtigkeit.

Nurgül Yeşilçay und Özcan Deniz können als Paar überzeugen; Yasemins Zweifel an der Möglichkeit einer zweiten Chance in der Liebe werden dank Yeşilçays Darbietung glaubwürdig vermittelt. Der Jungstar Mesut Can Tomay sorgt als Mahmut indes für diverse amüsante Momente.

Fazit: Ein charmanter Mix aus Komödie und Drama über ein screwball-typisches Gegensatzpaar.





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