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Verpiss Dich, Schneewittchen
Verpiss Dich, Schneewittchen
© Constantin Film

Kritik: Verpiss Dich, Schneewittchen! (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Der deutschtürkische Comedian Bülent Ceylan zieht mit seinen Shows ein großes Publikum an und so lag es wohl – zumindest aus Produzentensicht – nahe, ihn auch zum Hauptdarsteller einer Filmkomödie zu machen. Das Problem bei solchen Experimenten mit Comedystars in einer leinwandtauglichen Filmhandlung ist aber oft, dass das Projekt vor lauter künstlerischen Kompromissen zu keiner eigenen Handschrift findet. Regisseur Cüneyt Kaya ("Ummah – Unter Freunden") hat eine zwischen Klischee und schräger, aber auch versöhnlicher Culture-Clash-Komik angesiedelte Geschichte inszeniert, der ihr eigener Sketch-Charakter zum Verhängnis wird. Denn zwischen den einzelnen Gags fällt die Spannung regelmäßig ins Loch und die Figuren wirken dann wie Hampelmänner, die mit der Handlung fremdeln.

Dass viele Teilnehmer von Casting-Shows kein Talent haben, gehört ja praktisch zum Unterhaltungskonzept von Formaten wie "Deutschland sucht den Superstar". Da macht es ja nichts, wenn auch die Lieder, die "Hamam Hardrock" zum Besten geben, mehr nach Schlager-Baukasten als nach echter Musik klingen. Hauptsache, Sammy hält die E-Gitarre und schüttelt dazu seine lange schwarze Haarmähne stilsicher aus. Der Plot mit dem spät berufenen Musiker und dem Talentwettbewerb ist sowieso völlig abgedroschen, während sich das Thema des Culture-Clashs zwischen den Türken im Hamam und dem deutschen Kleinbürger Wolle als komödiantisch ergiebiger erweist. Ceylan nimmt sich auch hier, wie in seinen Bühnenprogrammen, der Erfahrungen von Deutschtürken mit sozialer Ausgrenzung und Ausländerfeindlichkeit an. Selbstironisch und liebevoll macht er sich ein bisschen über die Massage- und Badekultur der Türken lustig, was in der schrägen Idee gipfelt, den Körper des Hamam-Kunden Mahmut als Trommel zu nutzen. Im Presseheft ist zu lesen, dass der Schauspieler Özgür Karadeniz für diese Rolle 25 Kilogramm zunehmen musste. Das ist definitiv zu viel Selbstaufopferung für eine filmische Bauchlandung wie diese.

Der Titel ist ein Spruch, den Sammy auf der Straße von rassistischen Pöblern und Schlägern zu hören bekommt. Der Rechtsradikalismus hat viele Gesichter, von der sozialen Randfigur bis zur zackig-kämpferisch auftretenden Boyband. Irgendwo auf dem Spielfeld platziert der Film auch ein paar eher unnötige Gastauftritte von Bernhard Brink bis Olaf Schubert. Lustig wird es nur, wenn Sammys Schildkröte Rocky wieder mal in deftiger Milieusprache zu reden beginnt.

Fazit: Diese auf den Comedian Bülent Ceylan zugeschnittene Komödie über einen Mann, der mit einer spontan gegründeten Rockband zum Talentwettbewerb antritt, ist keine Sternstunde der Filmkunst. Dabei verfügt die von Cüneyt Kaya inszenierte Geschichte punktuell durchaus über Humor, vor allem wenn sie demonstriert, wie sich ein deutscher Kleinbürger in eine türkische Hamam-Gemeinschaft integriert. Aber die Handlung, die wie aus lauter Sketchen zusammengestückelt wirkt, entwickelt keinen funktionierenden Spannungsbogen und die Charaktere ähneln Marionetten.




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