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Hong Kong Trilogy
Hong Kong Trilogy
© Rapid Eye Movies

Kritik: Hong Kong Trilogy (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Bekanntheit erlangte der Regisseur des Films, Christopher Doyle, durch seine Arbeit mit dem stilprägenden asiatischen Autorenfilmer Wong Kar-Wai ("Chunking Express"). Schon seit Anfang der 80er-Jahre arbeitet der gebürtige Australier als Kameramann im asiatischen Raum. Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Wong Kar-Wai, wurde auch Hollywood auf den mittlerweile 63-jährigen aufmerksam. So war er u.a. bei Neil Jordans "Ondine" (2009) sowie beim Phillip-Noyce-Drama "Der stille Amerikaner" (2002), für die erlesenen Bilder verantwortlich. Für "Hong Kong Trilogy" interviewten Doyle und sein Team über einen Zeitraum von einem Jahr, weit über hundert Menschen aller Alters- und Gesellschaftsklassen.

"Hong Kong Trilogy" ist ein anspruchsvolles, komplexes und manchmal schwer zugängliches Werk, das zunächst nur schwer erkennbar über einen echten roten Faden verfügt. Doch bei genauerem Hinsehen ergibt das Gezeigte dann allmählich, und vor allem am Schluss, einen Sinn. Alle drei Personengruppen im Film (die Vorschulkinder, die protestierenden Studenten sowie die Greise) sind verbunden in ihrer Verantwortung für Christopher Doyles große Liebe und Wahlheimat: Hongkong. Die drei Gruppierungen unterteilen den Film dann auch in seine drei Kapitel. Jene "Hong Kong Trilogy" lässt sich daher auch – in seiner Mischung aus Essay, Doku und fiktionalen Elementen – am ehesten als mehrdeutiges Portrait der Metropole lesen.

Hongkong: eine seit jeher nach Freiheit und Unabhängigkeit strebende, seit 1997 unter chinesischer Staatshoheit befindliche Sonderverwaltungszone, in der das Leben pulsiert. Und in der – um wieder auf die Verbindung der drei Gruppen und Kapitel zurückzukommen – ganz junge, junge und alte Menschen miteinander verquickt sind. Die Botschaft Doyles lässt sich am ehesten wie folgt lesen: den Jüngsten in der Gesellschaft bzw. Bevölkerung obliegt die Verantwortung, diesen Freiheitsgedanken in die Zukunft zu tragen und Hongkong irgendwann vielleicht zu einer vollständig autonomen Region reifen zu lassen – komplett unabhängig von China. Die Alten flohen zu weiten Teilen während der 30er- und 40er-Jahre in die damals britische Kronkolonie, um vor Tod und Zerstörung des chinesischen Bürgerkriegs, Schutz zu finden.

Und die Studenten: sie sind die Stimme der Gegenrevolution und des Protests, um dem Willen nach Selbstbestimmung Ausdruck zu verleihen. Und dem Willen nach freien Wahlen, wie ihn die prodemokratischen Studenten im Herbst 2014 im Rahmen der sog. "Umbrella Revolution" forderten. Diesem "Erzählstrang" widmet Doyle im Film dann auch die meiste Aufmerksamkeit. Zudem verfügen die Szenen und Sequenzen dieses Kapitels über die größte Durchschlagskraft inklusive sich ins Gedächtnis brennender Bilder von Zeltstädten in tiefen, ebenso atmosphärischen wie Respekt einflößenden Häuserschluchten.

Vor allem am Ende dann wird der Film meditativ, mystisch und fast spirituell. Die Hauptfiguren der drei Kapitel treffen an einem Strand wieder aufeinander, untermalt von elegischen, melancholischen Klängen und Tönen. Eine hochatmosphärische, surreale Traumsequenz, in der Verlauf die dramaturgischen Fäden zusammenlaufen und wieder klar wird, dass alles miteinander verbunden ist.

Fazit: Komplexe aber äußerst atmosphärische, teils spirituell angehauchte Mischung aus Essay, Doku und Spielszenen mit erhabener musikalischer Untermalung und vielen surrealen, geheimnisvollen Momenten.




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