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Botticelli Inferno
Botticelli Inferno
© Schülke Cinema Consult

Kritik: Botticelli Inferno (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der deutsche Filmemacher Ralph Loop inszenierte die Doku nicht nur, sondern schrieb auch das Drehbuch. Loop war von einer Dante-Ausstellung vor rund einem Jahr angetan und von den Rätseln sowie der Kunst des genialen Malers derart begeistert, dass er sich entschloss, ihm einen ganzen Film zu widmen. Oder vielmehr: seinem aufwendigen, geheimnisvollen "Mappa dell´ Inferno", dem Hauptwerk der 102 Zeichnungen, die Botticelli auf Grundlage der "göttlichen Komödie" anfertigte. "Der Höllentrichter" ist ein visualisierter Wegweiser durch die Hölle, der den Betrachter mit beklemmenden Darstellungen von Grausamkeiten und Qualen konfrontiert. "Botticelli Inferno" wurde im Sommer dieses Jahres an Originalschauplätzen gedreht, u.a. im Vatikan in Rom, Florenz und London. Der Film kommt nur wenige Wochen nach der Dan-Brown-Verfilmung "Inferno" in die Kinos.

Nicht nur Kunst-Fans und Freunde der Werke des genialen Renaissance-Malers, kommen in dieser aufwendigen, hochinformativen Doku voll auf ihre Kosten. Nahezu jeder, der ein Faible für spannende Thriller-Kost oder ungelöste, Mythen-umrankte Geheimnisse (der Kunst- und Kulturgeschichte) hat, wird mit diesem Film etwas anfangen können. Zum einen gewährt er einen umfassenden Einblick in die Zeit Botticellis – jederzeit Zuschauer-freundlich, verständlich und nachvollziehbar aufbereitet. Und zwar auch für Kino-Besucher, denen Botticelli und seine Kunst bisher weitestgehend fremd waren. "Botticelli Inferno" beleuchtet die Hintergründe der Entstehung seiner Gemälde und informiert über seine familiären sowie sozialen Verhältnisse. Darüber hinaus zeigt er auf, was es mit den Medici auf sich hatte und wie sich ihre Macht bemerkbar machte. Eine Macht, die auch auf den Künstler anziehend wirkte und der sich von ihnen "anwerben" ließ.

Um hinter die Rätsel des "Höllentrichters" zu kommen, scheuten die Macher der Doku keine Kosten und Mühen. Mit Erfolg: der Dreh an den Originalschauplätzen sorgt für Glaubwürdigkeit und Authentizität, zudem geben international renommierte Experten ihre aufschlussreichen, detaillierten Einschätzungen ab. So lässt der Film u.a. Fachleute vom Kunsthistorischen Institut der Uni Leipzig oder auch der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek zu Wort. Aufnahmen der – der Öffentlichkeit eigentlich verschlossenen – Klimakammern im Vatikan zeigen die Räumlichkeiten, in denen Botticellis Inferno über viele Jahre unbemerkt sein Dasein fristete. Besonders beeindruckend sind natürlich die Nah- und Detailaufnahmen der "Mappa dell‘ Inferno", die ebenso Schauerliches wie Hochspannendes zu Tage fördern. Für die Dokumentation "Botticelli Inferno" wurde das Hauptwerk in einem Hochleistungsscanner durchleuchtet. Dadurch werden Schattierungen, Farbgebungen, Details und versteckte Botschaften auf nie dagewesene Art sichtbar. Dinge, die dem Auge bisher verborgen blieben. Auch dem geschulten und erfahrenen.

Handwerklich ist der Film tadellos. Die atmosphärischen, erhabenen (Panorama-)Bilder der gezeigten italienischen Städte und schwelgerischen Schwenks über die Dächer von Florenz, sorgen für eine genussvolle Optik. Dasselbe gilt für die langsamen Kamerafahrten durch das Innere der Archive, Bibliotheken und Kühlkammern. Jede Einstellung sitzt. Die Einzelszenen sind dramaturgisch sinnvoll und klug ineinander verwoben bzw. montiert. Schön sind auch die 3D-Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die den jungen Botticelli in den Straßen seiner Heimatstadt zeigen. Und zuletzt sorgt die immer wieder gewählte Ich-Perspektive in der Erzählung dafür, dass man sich dem großen Künstler nahe fühlt.

Fazit: Handwerklich perfekte, mit betörend schönen Bildern ausgestattete Kunst-Doku, die sich auf kluge Weise einem der geheimnisvollsten Kunstwerke der Geschichte filmisch nähert.




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