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Kritik: Mr. Church (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Mr. Church" ist der erste Kinofilm von Eddie Murphy seit dem Megaflop "Noch Tausend Worte" von 2012, der als einer der schlechtesten Filme in die jüngere Geschichte einging. Das Drama "Mr. Church" beruht auf wahren Begebenheiten, da sich die Drehbuchautorin des Films von ihrem eigenen Koch aus früheren Zeiten, der zu einem guten Freund wurde, beeinflussen ließ. Premiere erlebte das Werk, das mit einem Budget von acht Millionen Dollar realisiert wurde, 2016 auf dem Tribeca Filmfest in New York. Inszeniert wurde es vom Australier Bruce Beresford. Mit Filmen wie "Comeback der Liebe" und "Miss Daisy und ihr Chauffeur", zählte er in den 80ern zu den erfolgreichsten australischen Filmemachern.

In "Mr. Church" beweist Eddie Murphy sein dramatisches Talent. Lange Zeit hat man den ehemaligen Megastar der 80er-Jahre ("Nur 48 Stunden", "Beverly Hills Cop") nicht mehr so überzeugend gesehen. Murphy versteht es ausgezeichnet, den sympathischen und charismatischen Mr. Church mit viel Feingefühl und Wärme zu verkörpern. Mr. Church kümmert sich als – wie ihn Charlie in einer Szene nennt – "Retter" liebevoll um das junge Mädchen und ihre Mutter. Und auch nach Maries Tod ist Mr. Church stets für seine Ziehtochter da, selbst als sie, hochschwanger, von ihrem Freund verlassen wird. Und so gibt es dann auch viele emotional ergreifende, mitreißende Szenen. Diese bewegen sich freilich immer nah an der Grenze zum schmalzigen Tränendrüsen-Kitsch, schaffen es aber aufgrund der glaubhaft agierenden Darsteller, häufig eben doch zu berühren.

Das größte Problem des Films: das wenig glaubwürdige Drehbuch inklusive einer besonders ärgerlichen Tatsache: dass in "Mr. Church" mal wieder ein Farbiger als jederzeit seine eigenen Bedürfnisse zurückstellender Retter der Weißen und als heiliger Samariter dargestellt wird. Und der noch dazu ein Gott in der Küche ist und u.a. mit immer neuen delikaten Kreationen, die Gunst des kleinen Mädchens für sich gewinnt.

Der Film soll auf den Erinnerungen bzw. einigen wesentlichen Lebensereignissen der Drehbuchautorin beruhen. Vieles im Film – und damit auch einige der angeblich wahren Vorkommnisse – mutet aber doch reichlich unrealistisch an. Etwa, dass Mr. Church Charlie umgehend und jederzeit stets bei sich zu Hause aufnimmt und die Drei (Charlie, ihr Baby und Mr. Church) dann letztlich glücklich und zufrieden, einer Kleinfamilie ähnelnd, ein paar Jahre zusammen leben. Oder wenn Charlie erst nach dem Ableben von Mr. Church Dinge über ihren guten Freund erfährt, die ihn sogar als talentierten Musiker bzw. Künstler plötzlich in ganz anderem Licht erscheinen lassen. Mehr als fragwürdig, ob eine solche Person über Jahre hinweg ihr eigenes Leben voll und ganz in den Dienst einer ihm fremden Familie stellt, um – u.a. im Haushalt – als tragende Säule sowie großzügiger finanzieller Unterstützer zu fungieren.

Fazit: Überzeugend gespieltes, aber reichlich unglaubwürdiges, auf – angeblich – wahren Ereignissen beruhendes Drama. Leider bestätigt der Film das immer häufiger anzutreffende und ärgerliche Klischee vom stets hilfsbereiten, selbstlosen schwarzen Mann, der sich in den Dienst der Weißen stellt.




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