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Hitzewelle
Hitzewelle
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: Hitzewelle (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Hitzewelle" ist das Spielfilmdebüt der Regisseurin Joyce A. Nashawati, die selbst weiß, wie es sich anfühlt, als Immigrantin in fremden Ländern und Kulturen aufzuwachsen. Nashawati verbrachte Teile ihrer Kindheit und Jugend u.a. im Libanon, in Ghana und auch in Athen. Bisher realisierte sie drei Kurzfilme. "Hitzewelle" wurde mit dem FIRPRESCI-Preis der Filmjournalisten und -kritiker ausgezeichnet und überzeugte seit dem vergangenen Jahr auf diversen, internationalen Filmfestivals. Durch die in den Mystery-Thriller eingestreuten Themen der "Ressourcenknappheit" und "Migration", erhält das Werk einen ungemein hohen Aktualitätsgrad.

Die Knappheit der überlebenswichtigen Ressourcen sowie Vorurteile und Hass gegenüber Migranten – einige Aspekte des Films sind an Aktualität nicht zu überbieten. Zwar ist die Wasserknappheit in der Realität längst noch nicht so weit vorangeschritten, dennoch erscheinen die im (an dieser Stelle dystopischen) Film gezeigten Folgen der Ressourcen-Verschwendung und -Ausbeutung durch den Menschen, durchaus vorstellbar. Das verleiht ihm eine durchgehende beklemmend-bedrohliche Stimmung. Diese unheilvolle Atmosphäre wird noch unterstützt durch die einnehmende, wirkungsvolle Bildsprache des Films, die die Hitze und das Leid der Menschen fast körperlich spürbar macht.

Die gelbstichigen, sonnendurchfluteten Bilder schwitzender Körper, an der Hitze zu Grunde gegangener Tiere und nicht mehr funktionsfähiger Wasserleitungen, machen die dramatische Situation auf schauerlich-beängstigende Art nachvollziehbar und authentisch. Hier und da erinnert das Werk hinsichtlich seiner konsequenten Visualität an das deutsche Endzeit-Drama "Hell". Schöne, eindringliche Kontraste ergeben sich zudem aus dem Wechsel zwischen jenen "erleuchtend"-glänzenden Bildern der von der Sonne (regelrecht) malträtierten Menschen, Tiere und Natur sowie einigen anmutigen, farbenprächtigen Aufnahmen. Diese Aufnahmen zeigen die noch nicht von der Hitze vernichteten Landstriche sowie das Azoren-blaue Meer und machen klar, wieso Griechenland ein so beliebtes Reiseziel ist bzw. – vor der Dürreperiode – war.

Im Film platzierte Psycho-Thriller- und Mystery-Elemente erhöhen die Spannung zudem. Protagonist Ashraf fühlt sich zunehmend von einem mysteriösen, maskierten Mann verfolgt. Ob es sich dabei lediglich um Einbildung oder beängstigende Wirklichkeit handelt, bleibt ebenso (halb-)offen wie das nachdenklich-stimmende, melancholische Ende, das zur bedrückenden restlichen Stimmung des Films passt. Ein äußert reduzierter Film, in dem im Übrigen wenig geredet wird und er vor allem seine atmosphärischen Bilder für sich sprechen lässt.

Fazit: Minimalistische, beklemmende Mischung aus Dystopie, Psycho-Thriller und Mystery mit hohem Aktualitätsbezug und hochatmosphärischer, kontrastreicher Bildsprache.





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