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Der traumhafte Weg
Der traumhafte Weg
© Piffl Medien

Kritik: Der traumhafte Weg (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Angela Schanelecs Filme sind keine für ein breites Publikum, dafür sind sie formal zu streng komponiert, erzählerisch zu sperrig, vielleicht zu rätselhaft. "Der traumhafte Weg" bildet da keine Ausnahme. Das ungewohnt schmale, fast quadratische Format (1.33:1), die Verwendung von Laiendarstellern, Einstellungen, die ganz bewusst die Köpfe der Schauspieler abschneiden, Zeitsprünge, die sich selbst dem aufmerksamsten Betrachter nicht vollends erschließen, und Figuren, die auch nach Jahrzehnten nicht zu altern scheinen und immer noch die gleiche Kleidung tragen – all das irritiert, läuft es doch der menschlichen Logik und den filmischen Sehgewohnheiten und Erzählkonventionen zuwider.

Doch all diese Ungereimtheiten sind Teil des (narrativen) Konzepts, der den Blick des Publikums weg von den Gesichtern hin zu den Händen, Füßen und Körpern, auf Gesten und Berührungen lenkt. Schanelec stellt sich und ihrem Publikum die Frage, wie wenig es bedarf, um eine Geschichte (schlüssig) zu vermitteln. Dafür genügen der Regisseurin immer wieder nur drei aufeinanderfolgende Einstellungen, die auch ohne Worte, wie zu Stummfilmzeiten funktionieren. Das gestreifte Polohemd der weiblichen Hauptdarstellerin folgt in diesem Zusammenhang einer ganz pragmatischen Logik: Es dient der einfacheren Wiedererkennung, als eine Art visueller Anker.

Damit hat Schanelec die filmische Sprache zwar nicht neu erfunden – ihre Fixierung auf und Wiederholung von Details erinnert an Robert Bresson, die zufälligen Begegnungen an Krzyzstof Kieślowski –, deren Vokabular aber deutlich faszinierender zusammengesetzt als die große Mehrheit der jährlichen Produktionen. Wer sich für diese elliptische Erzählform nicht begeistern kann, wird keine Freude haben an diesem Film. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt. Denn in seiner Beschränkung auf ein narratives Minimum ist "Der traumhafte Weg" ein kleines filmisches Wunder.

Fazit: Angela Schanelec fordert erneut ihr Publikum heraus. Ihre Geschichte über die (Un-)Möglichkeit menschlicher Nähe ist mehr als eine Stilübung in narrativer Reduktion. "Der traumhafte Weg" ist ein (durchaus sperriges) kleines filmisches Wunder.




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