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Kritik: Where to, Miss? (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm "Where to, Miss?" ist das beeindruckende Debüt von Manuela Bastian. Das Werk gibt Einblick in das Leben in Indien – in der nördlichen Metropole Delhi sowie im bergigen Garhwal – und befasst sich insbesondere mit der Rolle der Frau in der dortigen Gesellschaft. Im Zentrum steht die junge Devki, die von ihrem Vater gewaltsam unterdrückt und an der Verwirklichung ihres Berufswunsches sowie ihrer Selbstständigkeit gehindert wird.

Devki will "etwas Außergewöhnliches" machen, wie sie es selbst formuliert. Sie will ein Vorbild für ihre jüngeren Geschwister sein und anderen Frauen helfen, indem sie als Taxifahrerin in der Nacht zu deren Sicherheit beiträgt. Bastian blendet die Momente, in denen Devki von Selbstzweifeln und Versagensängsten geplagt wird, keineswegs aus – dennoch zeigt sich rasch, dass die junge Stadtbewohnerin eine hartnäckige Persönlichkeit ist, die die Konfrontation mit ihrem Vater nicht scheut und sich den Herausforderungen der Ausbildung zur Fahrerin stellt. Als Devki nach ihrer zweiten Heirat vom Flachland in die Berge nach Garhwal zu ihrer neuen Familie reist, setzt sich die Bevormundung fort: Ihr Mann Badri – der Vater ihres kleinen Sohnes – will, dass sie Kosmetikerin wird; dessen Vater meint, sie müsse gar keinem Beruf mehr nachgehen, solange er selbst noch am Leben sei. In all diesen Phasen, in denen Devki von ihrem Umfeld immer nur als (Schwieger-)Tochter, Ehegattin oder Mutter einer männlichen Person wahrgenommen wird, wird uns die Protagonistin von der Filmemacherin sehr nahegebracht, sodass wir uns stets mit ihr wünschen, dass sie endlich einfach nur "Devki, die Taxifahrerin" sein kann. Wir teilen ihren berechtigten Zorn, ihre Enttäuschung und Frustration.

Gemeinsam mit ihrem Kameramann Jan David Günther erfasst Bastian Devkis Welt in fein komponierten Aufnahmen: Sowohl die urbanen Straßen und die familiären Räume in Delhi als auch das spätere Leben in den Bergen werden mit sorgsamem Blick eingefangen. Überaus gelungen ist zudem der Einsatz von Musik: Die wehmutsvollen Klänge und Texte des deutschen Folktronica-Duos Milky Chance vermitteln ein universelles Gefühl vom Jungsein, vom Hoffen und Träumen – und zugleich wirken sie, als erzählten sie ganz speziell von Devkis Reise, von den Gedanken und Empfindungen dieser ungemein starken Frau aus Indien.

Fazit: Ein empathisch geschildertes Porträt einer bewundernswerten Person; in eindrücklichen Bildern festgehalten und mit stimmiger Musik unterlegt.





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