VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: King Cobra (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für seinen zweiten Langfilm nach "I Am Michael" (2015) hat Regisseur und Drehbuchautor Justin Kelly abermals eine Geschichte nach Tatsachen gewählt: Auf Basis des von Andrew E. Stoner und Peter A. Conway verfassten Buches "Cobra Killer: Gay Porn, Murder, and the Manhunt to Bring the Killers to Justice" schildert das Werk die Vorfälle, die im Jahre 2007 zum Mord an dem in Pennsylvania lebenden Bryan Kocis führten. Dieser war mit seinem kleinen Unternehmen Cobra Video als Macher schwuler Internetpornografie tätig und geriet innerhalb der Branche in die Schlagzeilen, als herauskam, dass der Darsteller Sean Lockhart alias "Brent Corrigan" bereits für Kocis arbeitete, als er noch 17 und somit minderjährig war. Kelly, der die Vorlage zusammen mit D. Madison Savage adaptierte, fängt das Geschehen als Mix aus überdrehter Satire, glühendem Erotikthriller und erstaunlich empathischem Drama ein – begleitet von einer gelungenen musikalischen Sammlung, die von den Scissor Sisters bis zu Franz Schubert reicht.

Das Skript und die Inszenierung legen den Fokus auf die Figuren und deren Gefühlszustände; Kelly gibt seinem Ensemble die Gelegenheit, sich in ungewohnten Parts zu entfalten und das Personal, das leicht ins Karikatureske abdriften könnte, mit Herz und Seele auszustatten. Wie schon diverse Ex-Disney-Channel-Gesichter vor ihm (etwa Zac Efron, Vanessa Hudgens, Miley Cyrus oder Selena Gomez) wagt Garrett Clayton in der Hauptrolle des jungen Sean den Bruch mit einem blütenreinen Teenie-Star-Image – und überzeugt in seiner differenzierten Interpretation der Figur durch einen stimmigen Balanceakt zwischen adoleszenter Arglosigkeit und unbeirrtem Streben nach Erfolg. Wunderbar sind zudem die Mutter-Sohn-Momente mit Alicia Silverstone ("Clueless – Was sonst!"). Als Pornoproduzent und -regisseur Stephen, der Bryan Kocis nachempfunden ist, liefert Christian Slater eine beeindruckende Performance, in welcher die Tragik des einsamen Mannes ebenso deutlich wird wie dessen Verführungs- und Geschäftstaktiken.

Auch die beiden schrägsten Rollen, besetzt mit dem künstlerischen Tausendsassa James Franco und dem "Pretty Little Liars"-Cast-Mitglied Keegan Allen, werden nicht als Witzfiguren bloßgestellt, sondern erhalten einen interessanten und glaubhaften background. Joe und Harlow, die von Ruhm und Geld träumen und bereits jetzt über ihre Verhältnisse leben, tragen seelische Narben aus der Vergangenheit; das Spiel von Franco und Allen pendelt zwischen Hysterie, Aggressivität, Emotionalität und verrückter Verliebtheit – und gipfelt in einer beinahe herzzerreißenden finalen Szene.

Fazit: Ein beherzter Genre-Cocktail, der Sex, crime, einen satirisch-überspitzten Blick sowie eine aufrichtige Anteilnahme an seinem Protagonisten-Quartett unterhaltsam zusammenbringt und überdies herrliche Schauspielleistungen zu bieten hat.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.