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Dönerse Senindir
Dönerse Senindir
© AF Media

Kritik: Dönerse Senindir (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Romantik Komedi 2: Bekarlığa Veda" und "Sürgün" (beide aus dem Jahre 2013) hat sich Erol Özlevi bereits als Könner auf dem Terrain des Liebesfilms bewährt. Seine aktuelle Regiearbeit "Dönerse Senindir" mixt erzählerische Romantic-Comedy-Motive mit surrealen Einlagen, wie sie etwa im Serien-Hit "Ally McBeal" (1997-2002) zum Einsatz kamen. Die Geschichte, die das Drehbuch von Gizem Elci und Oğulcan Türe schildert, lässt an die US-Komödie "In Sachen Liebe" (1997) denken, in welcher ein Mann (Matthew Broderick) seine neu liierte Freundin (Kelly Preston) zurückerobern möchte und dabei Unterstützung von einer forschen Fremden (Meg Ryan) erhält. Özlevi gelingt zusammen mit seinem Team ein kurzweilig-temporeiches Vergnügen, das von seinem visuellen Humor profitiert.

In Rückblenden wird die Entstehung der Beziehung zwischen dem Protagonisten Mehmet und der aufstrebenden Sängerin Selin gezeigt. Als der junge Fotograf seine (vermeintliche) Traumfrau zum ersten Mal sieht, steht die Welt im wörtlichen Sinne still; als er später einem Bühnenauftritt von ihr beiwohnt, sind sie für einen kurzen Augenblick die einzigen beiden Menschen im Raum. Immer wieder findet Özlevi mit seinem Kameramann Ömer Kılınç und seiner Produktionscrew ansprechende Bilder, um den emotionalen Zustand der Hauptfigur filmisch zu vermitteln – ebenfalls in düsteren Momenten, wenn es zum Beispiel zur Trennung zwischen Mehmet und Selin kommt und plötzlich alle Gebäude um Mehmet herum einstürzen. An anderer Stelle wird bildlich dargestellt, wie sich Mehmet von kaltem Wasser übergossen fühlt oder nach der Entdeckung einer großen Lüge einen Dolch im Rücken verspürt. Doch auch in Passagen, in denen das Werk auf Surreales verzichtet, vermag "Dönerse Senindir" für sich einzunehmen. Das erste Date von Mehmet und Selin in einem Hamburgerladen ist ebenso charmant in Szene gesetzt wie das Trinkspiel, bei welchem Mehmet und dessen rätselhafte Helferin Defne mehr übereinander erfahren. Nebenbei teilt der Film ein paar Spitzen gegen die Konzeptkunst- und Entertainment-Branche aus.

Der zugleich auf musikalischem Gebiet erfolgreiche Murat Boz, der Anfang 2016 in "Kardeşim Benim – Mein liebster Bruder" auf der Kinoleinwand zu sehen war, verkörpert die Hauptrolle mit Charisma. Wenn Mehmet nach der Trennung von Selin in seiner "Depressionsstrickjacke" durch den Supermarkt trottet und sein Umfeld irritiert, indem er ungefragt über seine gescheiterte Liebe zu plaudern beginnt, beweist Boz komödiantisches Talent; wenn er hingegen Mehmets Eifersucht zum Ausdruck bringt, kann er auch mit ernsthaft-intensivem Spiel überzeugen. İrem Sak (bekannt aus der Familienserie "Yalan Dünya") ist als Defne eine ebenbürtige Partnerin. Ihre Rolle hat etwas von einem Manic Pixie Dream Girl, wie es etwa schon in Gestalt von Kirsten Dunst in Cameron Crowes Indie-Dramedy "Elizabethtown" (2005) in Erscheinung trat; Sak verleiht dem Part aber den nötigen Witz, sodass Defne keine reine Klischeefigur wird. Gleiches gilt für Yasemin Allen ("Su ve Ateş – Wasser und Feuer"), die Selin nie zur unsympathischen Karrieristin verkommen lässt.

Fazit: Eine romantische Komödie mit originellen Bildideen sowie vielen amüsanten Momenten und einem guten Schauspiel-Trio.




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