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Kritik: The Bicycle (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"The Bicycle" ist die erste Spielfilmproduktion von Against Reality Pictures. Die 2013 von Arne Körner, Martin Prinoth and Akin Sipal in Hamburg gegründete Bewegtbild-Schmiede konnte mit experimentellen Kurzfilmen wie "Surrounded" oder "Le Creature del Vesuvio" bereits diverse Festivalerfolge verbuchen, was auch mit "The Bicycle" gelang: Das von Körner inszenierte Werk, zu welchem dieser gemeinsam mit Hauptdarsteller Sipal das Drehbuch verfasste und bei dem Prinoth die Kamera führte, feierte seine Premiere im August 2015 auf dem Festival des Films du Monde de Montréal, ehe es kurz darauf auf die Internationalen Hofer Filmtage eingeladen wurde.

Die Geschichte ist im Sommer in der sogenannten "Stadt der Liebe" angesiedelt; im Zentrum steht ein Paar – und doch ist Körners Langfilmdebüt weit entfernt davon, eine kitschige Romanze zu sein. Selbst die raue Romantik aus Jean-Luc Godards "Außer Atem" (1960), an welche man aufgrund des Schauplatzes denken muss, oder den ironisch-charmanten Flirt-Ton aus Richard Linklaters "Before"-Trilogie (1995-2013) findet man hier nicht – stattdessen erhält man einen auf narrativer Ebene gänzlich ungeschönten Einblick in das allmähliche Zerbröseln einer Beziehung: in die Kommunikationsprobleme, das Genervt- und Enttäuscht-Sein sowie die vielen kleinen und großen Verletzungen zwischen zwei Menschen, die sich einmal nahegestanden haben müssen. Mark und Antonia – das zentrale Paar – werden als charakterlich äußerst gegensätzliche Figuren gezeichnet, woraus sich glaubhafte Konflikte ergeben. Sipal und seine Spielpartnerin Carly May Borgstrom (die hier wie Sipal ihr Leinwanddebüt gibt) agieren in diesen Momenten überaus wahrhaftig; die Dialoge wirken improvisiert. Indem das Duo von echten Passant_innen umgeben ist, kommt eine gewisse Unvorhersehbarkeit ins Spiel. Als Parallelhandlung zu diesen Zwei-Personen-Passagen wird gezeigt, wie Mark auf einem Rennrad von Hamburg nach Paris fährt – wobei dramaturgische Erwartungen in Bezug auf Sinn und Zweck dieser Reise bewusst unterlaufen werden.

Optisch bietet "The Bicycle" einen stilistischen Mix. Die Bilder von Prinoths Kamera werden mit den Aufnahmen, die Mark und Antonia mit dem mitgeführten Bolex-Gerät machen, kombiniert. Das Werk fängt die Schönheit von Paris ein – vermeidet jedoch gekonnt eine allzu touristische Perspektive auf die französische Metropole.

Fazit: Eine deutsche Indie-Produktion, die einen betont unromantischen Blick auf das zwischenmenschliche Miteinander und Auseinandergehen wirft. Fein beobachtet und überzeugend gespielt.




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