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Luca tanzt leise
Luca tanzt leise
© Daredo Media GmbH

Kritik: Luca tanzt leise (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Nachdem er sich in seinem Spielfilmdebüt "Liebe mich!" (2014) dem chaotischen Leben einer Grafikdesign-Studentin widmete, befasst sich der 1982 geborene Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Philipp Eichholtz in seinem Nachfolgewerk "Luca tanzt leise" abermals mit der Außen- und Innenwelt einer jungen Frau. Erneut realisierte Eichholtz seine Arbeit in völliger Unabhängigkeit ("von Oma gefördert") – in der Tradition der German-Mumblecore-Bewegung, auf Basis des "Sehr gute Filme"-Manifests von Axel Ranisch, Heiko Pinkowski, Dennis Pauls und Anne Baecker. Die Mischung aus tragischen und komischen Elementen gelingt dem Filmemacher auch diesmal ganz wunderbar: "Luca tanzt leise" findet stets die richtigen Töne, um von den Hürden und Fallen, den Ängsten und Verletzungen, aber auch den Hoffnungsschimmern des Alltags zu erzählen.

Die titelgebende Protagonistin hat eine circa zehnjährige Phase der Party-Exzesse und Depression hinter sich. Eichholtz und seine Hauptdarstellerin Martina Schöne-Radunski – die unter anderem schon in Tom Lass' "Kaptn Oskar" (2013) zu sehen war und ein bisschen an die schmerzlich vermisste Brittany Murphy erinnert, jedoch nicht nur deshalb großartig ist – lassen die Bemühungen von Luca, die Spur zu halten und ans Ziel zu gelangen, in etlichen Details, in treffenden Bemerkungen sowie in aussagekräftigen Blicken und Gesten erkennen. Insbesondere zwei Beziehungen werden mit viel Feingefühl eingefangen. Zum einen die enge Bindung der Heldin zur Hündin Mata: Das Tier liefert Luca einen Grund, morgens aufzustehen, das Haus zu verlassen und irgendwie zu "funktionieren". Zum anderen entwickelt sich zwischen Luca und dem Oldtimer-Fan Kurt – der ebenfalls das Abitur nachholen will und von Hans-Heinrich Hardt enorm charmant dargeboten wird – aus einer Zweckgemeinschaft heraus eine wirklich schöne Freundschaft. Glaubhaft ist zudem das destruktive Verhältnis zwischen Luca und deren Ex-Freund: Der aggressive Ben, der immer wieder auftaucht, steht für die Vergangenheit, die Luca bei jeder Gelegenheit einzuholen droht – und somit für den Lärm, den die leise Tanzende zu vermeiden versucht.

Als verständnisvolle Großmutter ("Oma hat die richtige Attitüde!") ist die bezaubernde Ruth Bickelhaupt mit von der Partie, die bereits in "Dicke Mädchen" (2012) – dem ersten Langfilm ihres Enkels Axel Ranisch – zu überzeugen wusste; auch Claudia Jacob als strenge Mutter (und Lehrerin) von Luca hinterlässt einen Eindruck. Die Einbindung von Laien in Nebenparts verleiht dem Werk eine zusätzliche Energie.

Fazit: Zugleich angemessen ernsthaft und unfassbar witzig; Martina Schöne-Radunski ist in der Hauptrolle eine Wucht und spielt sich im Nu in unsere Herzen. Wahrlich ein sehr (sehr, sehr) guter Film!





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