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Kritik: Arthur & Claire (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Was Lakonie und schwarzen Humor betrifft, kann derzeit keiner im deutschsprachigen Film Josef Harder das Wasser reichen. Wer den Österreicher, der sich mit seiner Rolle in Maria Schraders "Vor der Morgenröte" zum ernsthaften Charaktermimen aufschwang, bislang nur als Kabarettisten oder aus Wolfgang Murnbergers kongenialen Adaptionen von Wolf Haas' Krimis kennt, ist in "Arthur & Claire" genau richtig. Die von Harder gespielte Figur ist ein Geistesverwandter seiner Bühnenpersona und des abgehalfterten Ermittlers Simon Brenner: (lebens-)müde, dauergrantelnd, bitterböse-pessimistisch.

Regisseur Miguel Alexandre nutzt Harders Talent gekonnt. Sein Film strotzt nur so vor kleinen Szenen, in denen Harders Arthur mit treudoofem Blick und scharfer Zunge seine Gegenüber in die Schranken weist. Ob im Flugzeug, am Schalter einer Autovermietung oder an der Hotelrezeption, Arthurs Pointen knallen wie Peitschenhiebe. Dem Todgeweihten ist nichts heilig. Bis Claire (Hannah Hoekstra) den Lebensmüden mit ihrer eigenen Lebensmüdigkeit aus seiner Lethargie reißt und vom Berufspessimisten zwar nicht zum Optimisten macht, aber zumindest die Augen für die schönen Dinge des Lebens öffnet. Die von Hannah Hoekstra mit Aggressivität und Verve gespielte Claire begegnet Arthur auf Augenhöhe. Daraus ergeben sich erbittert geführte, herrlich anzuschauende Wortgefechte.

Die Chemie zwischen Harder und Hoekstra stimmt, die Pointendichte ist ebenso hoch wie deren Qualität. Einzig die Inszenierung stört ein wenig. Durch die vielen sich gleichenden Gesprächssituationen kann der Film seine Theatervorlage nie ganz kaschieren, egal wie gelungen Kamerafrau Katharina Diessner diese auch einfängt. Das wirkt schnell etwas eintönig und hängt ab der Hälfte erzählerisch eine Zeit lang durch. Hier gehen dem Drehbuch aus Alexandres und Harders Feder die Ideen zunehmend aus. Mit einer wunderschönen Szene in einer verlassenen Bar, die die alle Hintergründe offenlegt, bekommt die Tragikomödie aber noch einmal die Kurve zu einem melancholischen Film, der das Sterben leicht und das Leben ernst nimmt.

Fazit: Miguel Alexandre hat einen anfänglich bitterbösen, ziemlich melancholischen und am Ende lebensbejahenden Film über das Sterben gemacht. Josef Harder und Hannah Hoekstra sind die perfekte Besetzung für "Arthur & Claire", die sich die Pointen wie Peitschenhiebe um die Ohren knallen.




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