VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Worlds apart (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Christopher Papakaliatis schrieb das Drehbuch zu "Worlds apart" bereits im Jahre 2013, ehe der episodisch erzählte Film 2014 realisiert werden konnte und schließlich im Dezember 2015 seine Uraufführung in Griechenland erlebte. Dort erzielte das Werk mit rund 700.000 verkauften Tickets das beste Ergebnis an den nationalen Kinokassen seit James Camerons 3D-Fantasy-Abenteuer "Avatar" (2009) und ließ damit weltweite Blockbuster wie "Star Wars – Das Erwachen der Macht" hinter sich. Dass die Arbeit von Papakaliatis – der zudem die Regie, die (Ko-)Produktion sowie eine der Hauptrollen übernahm – trotz ihrer schwierigen Entstehungsgeschichte auf eine derart starke Resonanz im Heimatland des Filmemachers stieß, ist kaum verwunderlich: Die Themen, die das Skript behandelt, haben seit der Konzipierung des Plots bedauerlicherweise nichts an Aktualität verloren. Vielmehr hat sich die geschilderte Lage noch zugespitzt – was insbesondere in puncto Xenophobie auch für Deutschland gilt, wo das Gesellschaftsdrama nun ebenfalls auf großer Leinwand zu sehen ist.

Die in Athen angesiedelten Episoden verknüpfen Geschehnisse aus dem Hier und Jetzt mit griechischer Mythologie, etwa mit der Beziehung zwischen dem Liebesgott Amor und der sterblichen Königstochter Psyche; überdies werden das griechisch-orthodoxe Osterfest und (dank eines Freilichtkinos) diverse Filmklassiker wie das deutsche Science-Fiction-Drama "Metropolis" (1927) in den narrativen Kosmos von "Worlds apart" integriert. Papakaliatis zeigt persönliche Krisen, die durch politische und ökonomische Krisen ausgelöst oder intensiviert werden. So geht es einerseits um heimliche, desperate Liebe, um Konflikte in der Ehe, in der Familie und im Beruf sowie um psychische Erkrankung, Angst, Druck und Suizid – und andererseits um die Wirtschafts- und Flüchtlingskrise, die in prägnanten Sätzen aus Nachrichtenmagazinen und in Diskussionen stets präsent ist. Nicht immer gelingt es dem Drehbuchautor und Regisseur dabei, in die Tiefe vorzudringen; einige Passagen wirken zu plakativ – beispielsweise die Radikalisierung des einst erfolgreichen Geschäftsmanns Antonis, welcher sich nicht nur seines Jobs, sondern auch seiner Würde beraubt sieht. Die drei Episoden "Boomerang", "Loseft 50mg" und "Second Chance", die im finalen Akt zusammengeführt werden, steuern letztlich zu forciert auf melodramatische twists zu.

Rundum überzeugen kann "Worlds apart" indes zum einen in handwerklicher Hinsicht: Die Kameraarbeit von Yannis Drakoularakos sowie die Montage von Stella Filippopoulou und die Musik von Kostas Christides sind exzellent. Zum anderen liefert das generationenübergreifende Ensemble äußerst beachtliche Leistungen. J.K. Simmons ("Whiplash") als pensionierter deutscher (!) Historiker und die für ihren Part zu Recht mit einem griechischen Filmpreis ausgezeichnete Maria Kavoyianni harmonieren ganz wunderbar miteinander; ebenso vermögen Christopher Papakaliatis als depressiver Familienvater und Andrea Osvárt ("Das Ende ist mein Anfang") als zunehmend zweifelnde Betriebswirtin Eindruck zu hinterlassen. Erneut einfühlsam ist auch die Performance von Tawfeek Barhom ("Ein Lied für Nour"), der den aus Syrien geflüchteten Kunststudenten Farris verkörpert.

Fazit: Ein filmisches Triptychon aus Griechenland über das Private und Politische; in Teilen zu oberflächlich, aber gekonnt visualisiert und hervorragend gespielt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.