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Kritik: Laurin (1989)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Regisseur Robert Sigl war erst 26 Jahre alt, als Anfang 1989 sein erster Spielfilm "Laurin" uraufgeführt wurde. Die schaurige Gruselmär wird von Cineasten als ein Juwel des deutschen Genrefilms gepriesen. Sie erzählt von einem mysteriösen Verbrecher und einem Mädchen, das Dinge sieht, die anderen verborgen bleiben. Dabei besticht sie als fein abgestimmte, stilvolle Komposition aus Horror und märchenhafter Poesie. Der Film hat kürzlich in digital restaurierter Fassung eine Heimkinoauswertung erhalten. Nun kann er auch im Kino wiederentdeckt werden.
Der bayerische Regisseur drehte mit ungarischen Schauspielern im Ausland, aber Laurins Heimatort liegt an der deutschen Küste. Genauer lokalisiert ist er nicht, und manche Charaktere tragen skandinavische Namen wie Andersen oder Johansson. Eine melancholische, bedrückende Schwere lastet auf den Menschen, welche die traurige Musik noch betont. Laurin hat in den ersten Szenen immer ein Häubchen auf dem Kopf und schläft, obwohl sie doch schon groß ist, in einem Gitterbett. Ihr freundlicher Blick aus großen Augen etabliert sie als die Kindfigur mit reinem Herzen, die verkörperte Unschuld.

Die Großmutter schwankt in ihrer Einsamkeit zunehmend zwischen Kummer und Rauschzustand und ist Laurin bald keine Stütze mehr. Auf der Burg ist manchmal ein schwarz gekleideter Mann zu sehen und Laurin hat Visionen, in denen sie ihre Mutter rufen hört und dem pädophilen Kindermörder auf die Spur kommt.

Aus solchen Charakteren und Schauplätzen wie einem Friedhof, einer Holzbrücke, dem alten Burggemäuer strickt Sigl eine elegische Ballade. Darin bewegen sich die Figuren mit traumwandlerischer Würde, es wird – zumindest für heutige Begriffe - nicht viel gesprochen, die Musik mit ihren Orgel- oder Spieluhrklängen und die symbolischen Zeichen – ein schwarzer Stoffdrache, ein schwarzer Hund – weisen den Weg. Das Besondere an diesem Film ist, dass ihm die erzählerische Stimmung wichtiger ist als das krampfhafte, im Horrorgenre oft genug auch fatale Überlegen, wie man dem Geschehen Plausibilität einflößen kann. Hier erscheint alles, was Laurin passiert, schlüssig, selbst das Übernatürliche. Die eleganten Bild-Ton-Kompositionen und ihre stimmigen psychologischen Anspielungen und Deutungen sorgen dafür. Trotz seiner Nähe zum Märchen wirkt der Film auch schön schräg wie ein makabrer Mummenschanz, der auf das Unsagbare, das Böse, das sich hinter der gutbürgerlichen Fassade verbirgt, verweist.

Fazit: Ein Juwel des deutschen Grusel- und Horrorgenres aus dem Jahr 1989 bekommt eine Wiederaufführung im Kino aus Anlass einer digitalen Restaurierung. Robert Sigls poetisch-schaurige Ballade über ein Mädchen auf den Spuren eines Kindermörders beweist, dass sie immer noch zu fesseln vermag und ihr eigentümlicher Charme nicht gealtert ist. Wichtiger als die spärlichen Dialoge sind in diesem sorgsam durchkomponierten Film die stimmungsvollen, symbolträchtigen Bilder, die zusammen mit der Musik die Vorstellungskraft beflügeln.




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