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Kritik: Die Abmachung (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wo und wie jemand wohnt, sagt auch etwas über den Bewohner aus. Im klassischen Genrefilm ist das eine eherne Regel, die der deutsche Film eher selten befolgt. Wenn Regisseur Peter Bösenberg gleich zu Beginn Ansichten von Häusern präsentiert – alte, neue, baufällige und renovierte –, dann ist das nicht nur visuelle Spielerei. In "Die Abmachung" steht das traute Heim nicht nur für sich selbst, sondern stellvertretend für den Zustand der Familie, die darin lebt. Nach dem Tod ihres Mannes bedarf nicht nur die Heizung einer Reparatur, auch Hausbesitzerin Stine (Stine Stengade) und ihre Tochter Stephanie (Antonia Lingemann) können etwas (menschliche) Wärme vertragen.

Regisseur Peter Bösenberg und seine Koautorin Yael Reuveny lassen lange offen, wohin "Die Abmachung" steuert. Wenn Stine den Fremden Roger (Àlex Brendemühl) erst in ihr Haus, schließlich nach und nach in ihr Leben lässt, sieht es zunächst so aus, als entwickele sich ein zartes Drama um Trauerarbeit und den Beginn einer neuen Liebe. Doch Roger und dessen wortkargen Sohn Kevin (Robert A. Baer) umweht von Anfang an etwas Unheimliches, etwas Eisiges, wie der Film selbst in kühlen Farben und glasklaren Einstellungen gestaltet ist.

Die Steigerung zum häuslichen Terror verwundert nicht, funktioniert aber nur leidlich. "Die Abmachung" ist ein seltsamer Zwitter aus biederem Sozialdrama und Psychothriller, dem die Selbstverständlichkeit vergleichbarer amerikanischer Produktionen abgeht. Für eine europäische Variante im Stile eines Michael Haneke, an den der Film visuell erinnert, bleibt Bösenberg schlicht zu harmlos. Das stark unterkühlte Spiel der Schauspieler wirkt ebenso künstlich wie die meisten Dialoge. Während ein gelungener Genrefilm stets auf zwei Ebenen funktioniert, fiele Bösenbergs Film ohne die Metapher des renovierungsbedürftigen Hauses in sich zusammen.

Fazit: Unausgewogene Mischung aus Drama und (Psycho-)Thriller. Zu vieles darin wirkt künstlich, da sich Regisseur Peter Bösenberg nicht recht entscheiden mag, welche Art Film "Die Abmachung" sein soll.





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