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Kritik: Ein Weg (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Was passiert, wenn aus einem gemeinsamen Lebensweg schleichend zwei getrennte werden, zeigt Chris Miera in seinem ebenso verschachtelt wie behutsam erzählten Diplomfilm. Ihn interessiere besonders die Zeit nach dem glücklichen Zusammenfinden eines Paares, wenn die Routine die Liebenden einhole, hat der Student der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf in einem Regiekommentar gesagt. Dementsprechend steigt "Ein Weg" kurz vor dem Ende von Andreas' (Mike Hoffmann) und Martins (Mathis Reinhardt) Beziehung ein, spult erst nach einer halben Stunde zu deren Anfängen zurück und von dort noch zwei Mal (zurück) in die Zukunft.

Den Alltag des Paares fängt Miera, der selbst die Kamera führt, beinahe
dokumentarisch ein. Aus der Not seines schmalen Budgets macht er eine Tugend. Der Filmemacher drehte mit einem kleinen Team an Originalschauplätzen und ließ seinen beiden Hauptdarstellern viel Raum zur Improvisation. Gepaart mit einer Erzählweise, die vertraute Situationen vom gemeinsamen Einkauf bis hin zum gemeinsamen Urlaub ganz beiläufig schildert, wirkt Mieras Debüt unaufgeregt ehrlich, sieht aber stets etwas zu sehr nach einer Fernsehproduktion aus. Die Wahrhaftigkeit seiner Figuren lässt einen zudem wohlwollend darüber hinwegsehen, dass die Schauspieler in den Rückblenden keinen Tag jünger als in der filmischen Gegenwart aussehen.

Mieras gelassenes, sich einer klassischen Dramaturgie entziehendes Beobachten ist aber auch die größte Schwäche. In einem Film voller Nichtereignisse, der die dramatischsten Momente wie etwa den Tod von Andreas Exfrau und die direkte Zeit danach konsequent ausblendet, ermüden die Beziehungsproblemchen schnell, zumal sich die beiden Hauptfiguren entweder anschweigen oder in Übersprunghandlungen flüchten, anstatt vernünftig miteinander zu reden. An die Stelle erhellender Antworten oder zumindest neugieriger Fragen setzt Miera Blicke, Gesten und Matija Strnišas sphärisch klingende, sehr eintönige Streicher. Insgesamt fehlt es dem Film wie seiner Liebesgeschichte deutlich an Schwung. Denn so einschläfernd wie Andreas' und Martins Alltag als Paar ist auch ihre Annäherung als Singles in Szene gesetzt. Vielleicht starb diese Beziehung ja von vornherein an Langeweile.

Fazit: Chris Mieras Debütfilm überzeugt durch eine unaufgeregte, beinahe dokumentarische Inszenierung, die ihren Darstellern erstaunlich viel Freiheiten lässt, aber auch immer ein wenig zu sehr nach Fernsehen aussieht. Die beiläufige Dramaturgie voller Nichtereignisse langweilt schnell und lässt den nötigen Schwung vermissen, um sein Publikum für sich und seine Figuren einzunehmen.




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