VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Kötü Cocuk (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Kötü Çocuk" hat der Regisseur und Drehbuchautor Yağız Alp Akaydın den gleichnamigen Roman von Büşra Küçük adaptiert. Erzählt wird vom coming of age der selbstbewussten Kayla und den Beziehungen, die diese zu ihrem bisher fremden Erzeuger sowie zu dem titelgebenden "bösen Jungen" Meriç aufbaut. Der Vater-Tochter-Handlungsstrang wird formelhaft, aber durchaus einfühlsam und obendrein unparteiisch geschildert, wodurch sowohl Kaylas Standpunkt als auch der des zu Wohlstand gekommenen Geschäftsmannes nachvollziehbar werden. Nicht zuletzt ist dies dem überzeugenden Spiel von Sarp Akkaya zu verdanken, der die Schuldgefühle eines lange Zeit abwesenden Vaters glaubhaft vermitteln kann.

Als Teenager-Romanze ist "Kötü Çocuk" weniger subtil; nicht immer trifft die Inszenierung den richtigen Ton und driftet zuweilen in den Abenteuer- und Liebes-Kitsch ab. Eine gewisse Kühnheit sowie einen hohen Unterhaltungswert kann man dem Werk allerdings kaum absprechen. Die Dialogduelle zwischen Kayla und Meriç – insbesondere in der Phase ihres Kennenlernens – haben Witz; überdies werden offensichtliche Parallelen zu US-Produktionen direkt von den Figuren thematisiert: So findet die High-Society-Jugendserie "Gossip Girl" über Geheimnisse, Intrigen und Lästereien an einer New Yorker Eliteschule ebenso Erwähnung wie die romantische Vampir-Geschichte "Twilight" und deren zentrales Paar Bella Swan und Edward Cullen, an deren Eigenschaften Kayla und Meriç in vielerlei Hinsicht angelehnt sind. Die Szenen zwischen den jungen, wilden Verliebten werden mal mit Rockmusik, mal mit Pop-Songs (etwa "It's a Lovely Day" von Erica Jennings) unterlegt; der Einsatz von Zeitlupe erhöht das Pathos noch zusätzlich. Das heruntergekommene Viertel, in welches Meriç Kayla zu Beginn mitnimmt, wirkt kulissenhaft; auch das abgelegene Landhaus, in das die beiden später entfliehen und das von Meriç als Atelier genutzt wird, ist mit seiner Vintage-Einrichtung sowie dem Kaminfeuer und Kerzenlicht fernab der Lebensrealität gestaltet. Auf dem Dach eines Hochhauses gelingen schöne Aufnahmen, als Kayla und Meriç dem Lärm der Stadt lauschen.

Während die von Afra Saraçoglu energisch verkörperte Kayla, die ihren eigenen Regeln folgt, eine sympathische Protagonistin für einen Beitrag zum türkischen Adoleszenzkino ist, bleibt Meriç eine allzu krude gezeichnete Figur: Der ruppige Außenseiter, der Kayla zunächst von sich fernhalten möchte und wie ein Action-Held zu kämpfen versteht, entpuppt sich nicht nur als Künstler, der an seinem persönlichen Rückzugsort Ölbilder malt, sondern auch als bedrohlicher Stalker, der zudem seine Herkunft verschweigt. Bedenklich ist, dass Meriçs besitzergreifendes Verhalten in einem allzu romantisierenden Licht präsentiert wird. Tolga Sarıtaş liefert in der Rolle indes eine solide Leistung.

Fazit: Ein Mix aus empathischem Vater-Tochter-Drama und übersteigert in Szene gesetzter Teenager-Liebesgeschichte, mit einer coolen Heldin und einem allzu überfrachteten love interest.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.