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Storm und der verbotene Brief
Storm und der verbotene Brief
© farbfilm verleih

Kritik: Storm und der verbotene Brief (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Niederländer Dennis Bots ist ein Experte darin, historische Fakten und Begebenheiten, für ein junges Publikum zielgruppenkonform aufzubereiten und mit fiktionalen Handlungselementen anzureichen. Genauso verfuhr er bei seinen letzten Filmen, u.a. "Geheimcode M" (2015) und exakt so verhält es sich auch bei "Storm und der verbotene Brief". Der Regisseur vermengt auch in seinem neuesten Werk die Genres Historienfilm und Jugendabenteuer. Das Erscheinungsjahr der Produktion könnte freilich besser nicht gewählt sein. Denn 2017 jährt sich der Thesenanschlags durch Martin Luther, zum 500. Mal. Es war der Beginn der Reformation, der letztlich die Aufspaltung der christlichen Kirche in eine katholische und eine evangelische Glaubensrichtung, zur Folge hatte.

Großes Lob gebührt den Machern, die einige der wesentlichen und wichtigsten Themen sowie Ereignisse der europäischen Kultur- und Religionsgeschichte für ein junges Publikum aufbereitet haben: Reformation, Buchdruck, Kampf um Meinungsfreiheit, die Macht katholischen Kirche im Mittelalter. So kommt der junge Zuschauer vor allem in Kontakt mit einer Thematik, die im Reformationsjubiläums-Jahr natürlich in aller Munde ist – und in Form von Veranstaltungen, Feierlichkeiten sowie einer enormen Medienpräsenz, stark diskutiert und entsprechend begangen wird. Dem jugendlichen Publikum wird – dank der eingebauten Hintergrundinfos – durch den Film zumindest ansatzweise deutlich, was sich hinter dem Begriff Reformation verbergen könnte. Entsprechende Nachfragen an die Eltern scheinen sehr wahrscheinlich, darauf können sich die Erziehungsberechtigten schon einmal einstellen. Und das ist gut so.

Aber natürlich nutzt Regisseur Bots Zutaten, die den Film für die neun- bis vierzehnjährigen Zuschauer nicht zur trockenen Bibel- und Geschichtsstunde verkommen lassen. Und Bots versteht sein Handwerk: denn durch das hohe Tempo, eine insgesamt rasante Inszenierung und der Fülle an Verfolgungsjagden, kommt garantiert keine Langweile auf. Zudem eignen sich die beiden jugendlichen Hauptfiguren perfekt zur Identifikation: sie sind mutig, entschlossen, sympathisch und sich der großen Bedeutung ihrer Mission bewusst. Dabei gilt es, zwei Aufgaben zu bewältigen: die Druckplatte vor dem finsteren Inquisitor zu retten und Storms Vater vor dem Tode zu bewahren. Somit muss nicht eine "Herausforderung" bzw. ein Handlungsstrang alleine, die komplette Last eines gelungenen Spannungsbogens inklusive glaubhafter Wendungen, tragen.

"Storm und der verbotene Brief" ist recht düster gehalten, dafür sorgen vor allem die atmosphärische Ausstattung sowie die oft dunklen Kulissen und Schauplätze. Im Mittelalter war Europa geprägt von Aberglaube und der Angst vor Plagen wie der Pest. Und: die katholische Kirche versuchte, ihre Macht unablässig zu zementieren bzw. beständig auszuweiten. Und das, u.a. mit Hilfe rücksichtsloser Inquisitoren. Diese Stimmung der allgegenwärtigen Bedrohung und Angst, manifestiert sich im authentischen, bedrückenden Setting. Daher ist der Film auch eher weniger für die ganz Kleinen geeignet. Alle anderen werden an diesem geistreichen, immer wieder auch mit Zeitlupen-Sequenzen spielenden Werk, ihrer Freude haben.

Fazit: "Storm und der verbotene Brief" ist ein gutes Beispiel für einen unterhaltsamen, temporeichen Jugend-Abenteuerfilm, der darüber hinaus anspruchsvolle, wichtige Themen anpackt und deren essentielle Botschaften zielgruppenkonform vermittelt.




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