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Kritik: Clash (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der zweite Spielfilm des ägyptischen Regisseurs und Drehbuchautors Mohamed Diab ist ein bedrückendes Kammerspiel. Der Handlungsort von "Clash" sind die acht Quadratmeter eines Gefängnistransporters, der in der ersten Einstellung noch leer ist und sich nach und nach mit Menschen füllt. Zu keinem Zeitpunkt verlässt die Handkamera den begrenzten Schauplatz, aber trotzdem gelingt Diab eine ebenso facettenreiche wie komplexe Momentaufnahme der ägyptischen Gesellschaft.

Mehr als ein Dutzend Protagonisten teilt sich bereits nach wenigen Minuten den Innenraum des Transporters: Anhänger der Armee und Muslimbrüder treffen hier unfreiwillig aufeinander, rasch eskalieren die Konflikte. Dennoch vermeidet "Clash" simple Botschaften sowie Schwarzweißmalerei. Denn obwohl viele Figuren oft nur grob skizziert sind und jeweils einen Typus repräsentieren, machen Diab und sein durchweg starken Darsteller deutlich, wie komplex und verworren die Konflikte innerhalb der ägyptischen Gesellschaft tatsächlich sind.

Diese schwer erfassbare Dynamik wird auch anhand des Films selber deutlich. Dieser mutet mal wie ein atemloser Thriller an, folgt dann den Konventionen des Gesellschaftsdramas, bloß um im nächsten Augenblick als absurde Komödie zu erscheinen. Die stilistische und tonale Bandbreite von "Clash" reflektiert so gekonnt die Bewegungen auf der Handlungsebene, wo tiefe Zerwürfnisse und spontane Bündnisse wechseln.

Mitunter verliert sich Diab zwar etwas in melodramatischen Momenten, "Clash" kann trotzdem durch seine Intensität sowie seinen unerschrockenen Blick auf soziale Abgründe überzeugen. Dem Regisseur ist ein sehenswertes filmisches Mahnmal gelungen, das wohl niemanden kalt lassen wird und noch lange nachhallt.

Fazit: Mohamed Diab ist mit "Clash" ein bedrückendes Kammerspiel gelungen, das auf gekonnte Weise Thriller, Drama und absurde Komödie verbindet. Als filmische Momentaufnahme der ägyptischen Gesellschaft beeindruckt der Film ebenso durch seine Intensität wie durch seine Komplexität, die simpler Schwarzweißmalerei eine klare Absage erteilt.





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