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Von Bananenbäumen träumen
Von Bananenbäumen träumen
© imFilm

Kritik: Von Bananenbäumen träumen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Über einen Zeitraum von drei Jahren, begleitete Filmemacherin Hubert das mutige Kollektiv aus Oberndorf, Landkreis Cuxhaven. Dabei konzentrierte sie sich aber auch auf einzelne, wichtige Personen, die federführend bei dem Projekt waren. Seit über 20 Jahren arbeitet die aus Celle stammende, studierte Historikerin als freie Regisseurin. Für ihre Dokumentationen erhielt sie vielfach Kritikerlob, Filmpreise und immer wieder Einladungen zu renommierten Filmfestspielen. Ihr letzter Film, "Das Ding vom Deich", stammt aus dem Jahre 2012 und lief auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis, bevor er bundesweit in den Kino startete. Für "Von Bananenbäumen träumen" verfasste Hubert auch das Drehbuch. Die Dreharbeiten für den Film dauerten bis Anfang 2016.

Auf wunderbare, nie zu ernste oder triste Weise zeigt der Film was es heißt, wenn eine verschworene Dorfgemeinde ihr Schicksal in die Hand nimmt – mit einer nahezu tollkühnen Idee, die so manch einen der Bewohner an der realistischen Umsetzbarkeit zweifeln ließ. Mit Hilfe eines Berliner Expertenteams für Infrastruktur, kam die Idee zur Energiegewinnung der ganz besonderen Art. Zum Betrieben einer Biogasanlage soll das benutzt werden, was es in den wenig noch verbliebenen Höfen in Massen gibt: Gülle. Und mit dieser Gülle-Biogasanlage soll wiederum eine Aquakultur bzw. Fischzucht (Afrikanischer Wels) beheizt werden. Und ganz nebenbei plant man auch noch, exotische Früchte wie Bananen anzubauen.

Regisseurin Hubert ist vom ersten Moment an dabei und begleitet das Projekt insgesamt fast drei Jahre. Ein Reiz derartiger (projektbegleitender) Langzeit-Dokus – so aufwendig sie sind – liegt vor allem darin, dass das Filmteam gewissermaßen Teil des Vorhabens wird. Im Laufe der Jahre wächst der Zusammenhalt untereinander. Aber nicht nur zwischen den Dorfbewohnern. Auch Filmemacherin Hubert ist irgendwann derart vertraut mit den Protagonisten, dass sie sehr intime, persönliche Einblicke in das Dorfleben und das Projekt, erhält. Zumal die Bewohner schon recht schnell auch die Kamera zu vergessen scheinen.

Hubert bekommt dabei die Startschwierigkeiten – vor allem die unglaublichen bürokratischen Hürden – und die Sorgen der Bewohner ebenso hautnah und unverstellt mit wie erste Erfolge beim Gülle-Biogas-Projekt sowie andere, in die Tat umgesetzte Vorhaben während der drei Jahre. Darunter z.B. den Aufbau der so wichtigen Nachmittagsbetreuung in der örtlichen Schule, die ja kurz vor der Schließung stand.

Und noch etwas zeigt der Film. Etwas, dass die meisten Städter und vor allem junge Menschen, die immer schon in der lauten, hektischen Großstadt gewohnt haben, garantiert nicht kennen: wie es ist und was es heißt, in einer kleinen Gemeinde mit anderen Dorfbewohnern zu leben. Einer fast schon aussterbenden Spezies also (Stichwort: Landflucht). Ein Ort, an dem jeder jeden kennt und an dem man noch zusammenhält und die Probleme gemeinsam anpackt. Hubert zeigt in ihrem Film also auch den Dorfalltag, der u.a. aus dem gemeinsamen Beisammen in der Eck-Spelunke, fröhlichem Feiern auf dem Dorffest oder auch den Versammlungen in einer Art Bürgerhaus, besteht.

Sympathisch ist der Einfall Hubert, immer wieder kleine aber feine visuelle Effekte und optische Spielereien (z.B. durchs Bild schwimmende, animierte Welse) in den Film einzubauen. Diese Animationen künden z.B. vom Ende bzw. Anfang eines Kapitels oder visualisieren das zuvor im Bild gesehene, reale Ereignis.

Fazit: Ehrliche, leidenschaftliche und mit sympathischen visuellen Einfällen gespickte Doku über ein außergewöhnliches Projekt, mit dem ein kleines niedersächsisches Dorf versucht, aus der Krise zu gelangen.




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