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Kritik: Paris kann warten (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eleanor Coppola lässt sich Zeit. Ihren ersten, gemeinsam mit ihren Koregisseuren Fax Bahr und George Hickenlooper erstellten Dokumentarfilm hat sie im Alter von 55 Jahren vorgelegt. Ihr erster Spielfilm ließ weitere 25 Jahre auf sich warten. Darin muss nicht nur die weibliche Hauptfigur Anne Lockwood (Diane Lane), sondern auch das Publikum viel Geduld mitbringen. Denn Coppola erzählt den ungewollten Roadtrip der US-Amerikanerin mit dem Franzosen Jacques (Arnaud Viard) so wunderbar entschleunigt, als sei dieser Film aus der Zeit gefallen.

"Reise ins Herz der Finsternis" ist der deutsche Titel von Coppolas erstem Dokumentarfilm. Er begleitet die desaströsen Dreharbeiten des Kriegsfilms "Apocalypse Now" (1979) ihres berühmten Ehemanns Francis Ford Coppola. Und auch in Eleanor Coppolas erstem Spielfilm geht es um eine Reise und all die Unwägbarkeiten und Umwege, die an deren Ziel führen. Was "Paris kann warten" positiv von vergleichbaren romantischen Komödien wie etwa Lawrence Kasdans "French Kiss" (1995) abhebt, ist die Beiläufigkeit des Erzählens. Zwar kommt auch Coppola nicht um das Klischee der prüden Amerikanerin und des französischen Lebemanns herum, trägt es aber bei Weitem nicht so plakativ vor sich her.

Coppolas ruhiger Erzählrhythmus hat Methode, um ihre Figuren besser zu verstehen. Schließlich erzählt die Regisseurin von zwei in Liebesdingen Verwundeten, die sich einander nicht jugendlich ungestüm, sondern ebenso behutsam nähern, wie Coppola die mehrgängigen Menus, die die beiden während ihrer Reise zu sich nehmen, auf der Leinwand ausbreitet. Das mag einigen zu fad erscheinen, hat dank einer Prise Lebenslust und einer Prise Lebensnähe aber genau die richtige Würze.

Fazit: Für "Paris kann warten" müssen die Zuschauer viel Geduld mitbringen. Wer sich auf Eleanor Coppolas ruhigen Erzählrhythmus einlässt, wird mit einer charmanten Romanze belohnt, die trotz manch brüllender Klischees auf leise Zwischentöne setzt.




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