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Kritik: Have a nice day (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Wer gewinnen will, braucht Hightech", sagt Wichtigtuer "Gelbauge". Zwei Wimpernschläge später erfasst ihn ein heranrasender Geländewagen. Während er seinen Gegnern mit der neuesten Technik den Garaus macht, hat ihn eine mehr als hundert Jahre alte, das Automobil, auf dem Gewissen. Liu Jians "Have a nice day" ist voll von diesen Gegensätzen, geprägt von lakonischem Humor.

Schon die Animationen sind eine Mischung aus Alt und Neu. Der ausgebildete Maler Jian hat fast den kompletten Film im Alleingang an seinem Tablet erschaffen. Handarbeit mit modernsten Mitteln. Die Auswirkungen dieser Anstrengung sind nicht zu übersehen. Die Figuren sind flach und statisch, ihre Bewegungen nie flüssig, was an günstig produzierten Zeichentrick fürs Fernsehen erinnert, "Have a nice day" aber einen eigentümlichen Look verleiht.

In gedeckten Pastelltönen und vier Kapiteln erzählt Jian, der auch das Drehbuch verfasste, von einer Gruppe Glücksritter aus der südchinesischen Vorstadt. Hier träumt jeder vom großen, vor allem aber vom schnellen Geld. Wie überall, wo der Turbokapitalismus regiert, klafft die Schere auseinander. Die Kritik an einem ungesunden System, das auf Kosten von Mensch und Natur geht, ist weitaus subtiler als das Zitat Leo Tolstois, das der Regisseur seiner Geschichte vorangestellt hat.

Ein episodischer Krimi über junge Möchtegernganoven, eingerostete Auftragskiller, die bei der Arbeit lässig Softdrinks durch den Strohhalm schlürfen, und desillusionierte Bosse, die sich über Zitate ihrer Kollegen aus der Tech-Branche streiten, allesamt auf der Jagd nach einer Tasche voller Geld – das hat "Have a nice day" zwangsläufig Vergleiche mit Quentin Tarantino (und dessen "Pulp Fiction", 1994) eingebracht. Und doch gelingt Liu Jian ein ganz eigenständiges Werk, das in einem furiosen Finale gipfelt. "Have a nice day" ist eine dichte, düster funkelnde, mal absurd komische, mal melancholische Gangstergroteske.

Fazit: Liu Jians "Have a nice day" ist eine düster funkelnde, mal absurd komische, mal melancholische Gangstergroteske. Wer auf Animationsfilme abseits des Mainstreams der großen Studios steht, ist hier genau richtig.




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