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Mein neues bestes Stück
Mein neues bestes Stück
© Concorde

Kritik: Mein neues bestes Stück (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Mein neues bestes Stück" ist ein echtes Herzensprojekt von Schauspielerin Audrey Dana. Die gelernte Theaterschauspielerin übernahm nicht nur die Hauptrolle sondern führte auch Regie und schrieb das Drehbuch dieser Rollentausch- und Verwechslungskomödie. Nach "French Women" (2014) ist es die zweite Regie-Arbeit für die Tochter eines tunesischen Journalisten. Vor ihrer Filmkarriere, arbeitete Dana vor allem fürs Theater. Zuerst einige Jahre in New York, bevor sie in ihre französische Heimat zurückkam und auf Pariser Bühnen zu sehen war. Seit 2006 widmet sie sich verstärkt dem Medium "Film".

Mit Geschlechterrollen und Gender-Klischees wusste Regisseurin und Hauptdarstellerin Dana bereits in ihrem Regie-Debüt "French Women" gekonnt zu spielen. In Sachen Schenkelklopfer-Witz und Hau-Drauf-Humor hielt sich der Film noch ein wenig zurück, was man von "Mein neues bestes Stück" nicht wirklich behaupten kann. Subtil und unterschwellig geht anders. Weiß man vorher, was einen erwartet – nämlich ein zu weiten Teilen lauter und schriller Genderswitch-Ulk – und stört man sich zudem nicht an der reichlich realitätsfernen und im Kern dämlichen Prämisse, bietet "Mein neues bestes Stück" immerhin jedoch kurzweilige, vergnügliche Unterhaltung.

Das liegt in erster Linie an der spielfreudig agierenden Audrey Dana und ihrem dann doch überraschend oft gut gelungenen Versuch, Geschlechter-Stereotype zu mixen. Und diese gehörig auf den Kopf zu stellen bzw. ins Gegenteil zu verkehren. So wird "Mein neues bestes Stück" u.a. von Frauen bevölkert, die sich scheinbar wie selbstverständlich auf die Suche nach kurzen Affären und One Night Stands begeben oder von bemitleidenswert verzweifelten, allein erziehenden Männern, die von ihren Frauen sitzen gelassen wurden.

Diese "Umkehrung" lässt Dana dann aber wiederum auf altbekannte Rollenbilder und gemeinhin "typisch" männliche oder weibliche Verhaltensmuster treffen. Etwa, wenn im Film selbstverliebte, sich den Frauen stets überlegen fühlende Womanizer auf unsichere, schüchterne Mauerblümchen treffen. Die starke Frauenfigur der Jeanne vereint dabei gewisser maßen all diese Schemata und Charakteristika in sich. Und dies zeigt sich auch anhand ihres Verhaltens, was mit die komischsten Momente im Film nach sich zieht. Einfach deshalb, weil sie schlicht so ungewohnt und fremdartig wirken und anmuten: z.B. wenn ausnahmsweise mal die Frau im Stehen ihr Geschäft verrichtet oder Jeanne ihren Spaß daran hat, andere Frauen ganz offensiv und selbstbewusst, zu umwerben. In diesen Szenen ist der immer wieder auch ins Klamaukige abdriftende Film am Stärksten.

Fazit: Trotz eines hohen Klamauk-Anteils und einer weit hergeholten Grundprämisse, eignet sich "Mein neues bestes Stück" in jedem Fall für einen kurzweiligen, vergnüglich-amüsanten Kino-Abend. Der Film spielt gekonnt mit gängigen Rollenbildern und Geschlechterklischees.





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