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FBW-Bewertung: Ihre beste Stunde - Drehbuch einer Heldin (2017)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.


Die dänische Regisseurin Lone Scherfig hat für ihren neuesten Film ein durchaus ungewöhnliches Setting gewählt: Der Film führt uns ins London des Jahres 1940 direkt hinter die Kulissen einer staatlichen Abteilung für Filmpropaganda. Während Bomben des Hitler-Regimes die Stadt terrorisieren, arbeitet ein Team fieberhaft an der Produktion eines Filmdramas, das die sinkende Moral der Engländer stärken soll. Unverhofft wird Catrin Cole in der Abteilung aufgenommen und soll als Frau im Autorenteam für den nötigen"Schmalz"in den Dialogen sorgen. Sie verliebt sich in einen Kollegen und sorgt am Ende dafür, dass der Film zu einem ungeahnten Erfolg wird.
Das"Film im Film"-Motiv dient hier auf wunderbare Weise als Hintergrund für eine konsequente Emanzipationsgeschichte. Catrin Cole, sehr charmant von Gemma Arterton verkörpert, setzt sich erfolgreich gegen die Männer durch und erschafft eine Filmheldin, die besser noch als jedes männliche Pendant den Menschen Mut zu geben versteht. Cole spiegelt damit die damalige Rolle der Frau auf uns zurück, da heute mehr denn je über die"weibliche Perspektive"in der Filmindustrie diskutiert wird. Als besonderen Kniff erzählt Lone Scherfig diese Geschichte zudem nachdrücklich im Stile des eigenen"Film im Film"-Dramas: Kräftig"Schmalz"in den Dialogen, schicksalhafte Zufälle als Handlungsmotor und die Pflege des Klischeebildes vom Künstler als Freigeist stellen nur einige der eingesetzten Elemente dar, deren Parallelität in den Filmebenen immer wieder ironische Brüche erzwingt.
Auf visueller Ebene hat IHRE BESTE STUNDE die Jury nicht nur wegen der adäquaten Kostüme und Ausstattung überzeugt, sondern auch wegen manch inszenatorischer Finesse. So etwa wird die kontinuierliche Entwicklung des Filmprojekts dadurch illustriert, dass wir eine Szene in drei verschiedenen Entwicklungsstufen und damit in drei verschiedenen Umsetzungen erleben. Auch die zu jener Zeit gängige Produktionstechnik wie etwa das recht komplexe"Matte Painting"-Verfahren weiß Lone Scherfig spielerisch in Szene zu setzen. Zahlreiche Pointen setzt außerdem das hervorragende Ensemble um Arterton, dem kauzigen Bill Nighy und Jeremy Irons in einem prägnanten Auftritt als Minister. Alles in allem also ein recht klassischer Vertreter des europäischen"Arthouse-Mainstreams", der einiger etwas oberflächlicher Momente zum Trotz sein Publikum finden wird.




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