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Ich. Du. Inklusion. - Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft
Ich. Du. Inklusion. - Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft
© mindjazz pictures

Kritik: Ich. Du. Inklusion. - Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur Thomas Binn begleitete den allerersten Inklusionsjahrgang an der Geschwister-Devries-Schule. Aspekte wie Verantwortung, Toleranz und ein faires Miteinander, spielen schon lange eine große Rolle an der Schule: schon seit den mittleren 90er-Jahren, werden dort immer wieder auch Kinder mit Behinderung unterrichtet. Thomas Binn ist neben seiner Tätigkeit als Regisseur auch noch freier Autor, Fotograf, Sozialpädagoge und gelernter Kachelofenbauer. Seit vielen Jahren arbeitet er für diverse Auftraggeber (WDR u.a.) und setzt soziale Themen dokumentarisch um. 2003 gründete er zudem sein eigenes Medienproduktions-Unternehmen.

Ein großer Pluspunkt des Films ist, dass Binn mit seiner Kamera stets Teil des Geschehens ist. Und das von Anfang an. Denn schon vor dem ersten Schultag besucht er einige der Kinder und deren Eltern Zuhause. Dabei ist gerade die Entwicklung der unterstützungsbedürftigen Schüler im Laufe der Jahre, spannend mit anzusehen. Das ist der Vorteil eines solchen Langzeitprojekts: man nimmt am Reifeprozess der Protagonisten teil, beobachtet Entwicklungsprozesse und fühlt sich ihnen daher auch als Zuschauer irgendwann verbunden und nahe. Berührungsängste haben weder Binn noch die Porträtierten: der Regisseur ist u.a. beim Unterricht dabei, bei Lehrerkonferenzen, den Treffen der Elternpflegschaft und der Einzelbetreuung.

Eine wichtige Botschaft des Films, die sich bereits nach wenigen Minuten herauskristallisiert: Inklusion ist fraglos ein höchst komplizierter, vielschichtiger Prozess. Er kann nur dann funktionieren, wenn sich ihr alle stellen, an einem Strang ziehen und die Herausforderung annehmen. Eine einfache, kurze filmische Abhandlung des Themas ist nicht möglich. Was aber möglich sein sollte, das macht der Film auch deutlich, ist die Bereitstellung von entsprechenden finanziellen Ressourcen, ausreichendem Personal sowie gut ausgebildeten Fachkräfte (vor allem Sozialpädagogen). Dafür muss die Politik sorgen. Darüber besteht unter allen Befragten im Film, ausnahmsweise, allgemeine Einigkeit.

Lobenswert ist auch, dass "Ich. Du. Inklusion." zu keiner Zeit Partei ergreift. Weder für die Gegner noch die Befürworter von Inklusion. Er macht etwas viel Entscheidenderes: er veranschaulicht für den (unwissenden) Außenstehenden den Inklusionsprozess an einer Grundschule. Und das über einen Zeitraum von über zwei Jahren. Erstmalig wird dieses Thema auf einer deutschen Kinoleinwand behandelt, noch dazu derart ausführlich. Und: auf dringliche, wahrhaftige und sachliche Weise. Die Dokumentation bringt für Nicht-Betroffene Licht ins Dunkel und leistet wichtige Aufklärungsarbeit. Auch das macht ihn so wichtig.

Fazit: Über kein bildungspolitisches Thema wurde in den letzten Jahren so herzhaft gestritten wie über die "Inklusion". Darüber, wie man Menschen mit Behinderung mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft ermöglichen kann. Allumfassend, detailliert und objektiv, zeigt die Langzeit-Doku "Ich. Du. Inklusion.", was das für Lehrer, Schüler und Pädagogen einer inklusiven Bildungseinrichtung in NRW im schulischen Alltag bedeutet. Ein wichtiger Film, der für viele Unbeteiligte Licht ins Dunkel bringt und mit gefährlichem Halbwissen aufräumt.





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