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Kritik: Siebzehn (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Obwohl es mit "Raus aus Åmål" und "Blau ist eine warme Farbe" zwei prominente und oft genannte Beispiele gibt, sind Coming-of-Age-Filme mit weiblichen Hauptfiguren weitaus seltener als mit männlichen. Ähnliches gilt auch für Coming-out-Filme, wenngleich "Siebzehn" von Monja Art gar nicht als solcher zu bezeichnen ist. Vielmehr ist die sexuelle Orientierung der Hauptfigur hier – wie schon in "Die Mitte der Welt" – völlig selbstverständlich. Und damit gibt dieser Film auch ein wenig die Hoffnung, dass es in der heranwachsenden Generation tatsächlich egal ist, ob man hetero-, homo- oder bisexuell ist.

Paula (Elisabeth Wabitsch) ist 17 Jahre alt und eine gute Schülerin. Sie kümmert sich um ihren kranken Vater, streitet mit ihrer Schwester und ist verliebt in ihre Klassenkameradin Charlotte (Anaelle Dészy). Bei ihren Freund_innen und ihr dreht sich alles um Liebe, um Sex, ums Feiern, um die Schule, um die Familie und natürlich den jeweiligen Freundeskreis. Kurzum: sie sind Teenager, die auf der Suche nach ihrem Platz auf der Welt und ihrer Identität sind.

Den gesamten Film über bleibt Monja Art sehr dicht an dieser Lebenswelt dieser Teenager, das zeigt sich schon in der Musikauswahl und zieht sich bis zur völlig selbstverständlichen Einbindung sozialer Medien in ihren Alltag. Sie ist selbst in Lanzenkirchen aufgewachsen und es gelingt ihr, diese Nähe zum Handlungsort und zu den Figuren auf die Zuschauer_innen zu übertragen: Man versteht die Dramatik, die bestimmte Ereignisse und Erlebnisse für die Figuren haben, man begibt sich in die Lebenswirklichkeit dieser Teenager für die Dauer des Films. Dabei ist auch sehr deutlich, dass Monja Art ihren Darsteller_innen vertraut. Entstanden ist der Film in einer Mischung aus Drehbuch mit geschriebenen und improvisierten Dialogen, die hier völlig selbstverständlich aufgeht.

Dadurch ergibt sich in "Siebzehn" ein Nebeneinander aus Zeitgebundenheit und Zeitlosigkeit: Die Geschichte ist deutlich im Hier und Jetzt verankert, die Gefühle, um die es hier aber geht, sind zeitlos. Aufgrund dieser Zeitlosigkeit und Gegenwärtigkeit, dem gelungenen Spiel und der Nähe zu den Figuren verzeiht man dem Film auch manche dramaturgische Ungenauigkeit und das Fehlen eines Endes. Denn irgendwie ist die Vorstellung, dass diese Geschichte noch nicht beendet ist, auch schön.

Fazit: Ein zeitloser und zugleich sehr gegenwärtiger Coming-of-Age-Film mit einer tollen Protagonistin. Sehenswert.





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