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Below her Mouth
Below her Mouth
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Below her Mouth (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

April Mullen hatte hierzulande bislang wenig Glück. Entweder ihre Filme kamen gar nicht ins Kino oder erschienen wie die Zombie-Komödie "Dead Before Dawn" (2012), obwohl in 3-D gedreht, nur auf DVD. Die Besucher des Fantasy Filmfests konnten Mullens Film "88" (2014), ein überdrehter, nonlinear erzählter Thriller mit einem herrlich sinisteren Christopher Lloyd, immerhin auf der großen Leinwand sehen. Mit "Below Her Mouth" bietet die kanadische Schauspielerin und Regisseurin ihrem Publikum nun das geerdete Kontrastprogramm zu all den der Welt entrückten Filmen und Serien, bei denen sie bislang auf dem Regiestuhl saß.

Trotz des Genrewechsels sind die Schauwerte geblieben. Statt blutiger und geschundener Körper gibt es dieses Mal jede Menge nackte. Um ihren Schauspielerinnen so viel Sicherheit wie möglich zu gewährleisten, hat April Mullen mit einem komplett weiblichen Filmteam gedreht, was die Bilder von Kamerafrau Maya Bankovic aber nicht vor manch fragwürdiger, reichlich voyeuristischer Einstellung schützt.

Die Leinwandpräsenz des schwedischen Models Erika Linder, die Dallas spielt, ist hingegen ein Gewinn. Linder braucht nicht viele Worte, ein oder zwei Blicke genügen, und das Publikum weiß, wie diese Frau tickt. Ihre Mischung aus (behauptetem) Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit macht Dallas nicht nur zur mit Abstand interessantesten Figur dieses Dramas, sondern auch zu einer allzu selten in Liebesfilmen gezeigten. Natalie Krill als Dallas' Objekt der Begierde Jasmine kann da nicht mithalten. An Linders Seite wirkt Krill stets deplatziert. Ihre Figur der braven Verlobten, die jahrelang das falsche Leben lebt, bietet allerdings auch nur wenige Möglichkeiten zur Entfaltung.

Die fehlen der Geschichte auch in ihrem Mittelteil. Viel stärker als die eine oder andere Sexszene, die die Leidenschaft dieser Amour fou, dieser zumindest für Jasmine unvernünftigen Liebe, verdeutlichen soll und dann doch nur die (männliche) Schaulust bedient, stört die Geschwindigkeit, mit der sich die Beziehung entwickelt. Hier wird stets mehr behauptet als gezeigt. Zwar findet April Mullen gemeinsam mit Maya Bankovic und ihrer Schnittmeisterin Michelle Szemberg einen Weg, die Zeit in einer gelungenen Montage aus Dialogen, Voice-over und poetischen Ansichten eines Strandbesuchs und einer Karussellfahrt zu verdichten. Die Zuschauer wollen auf dieses Beziehungskarussell aber nie so recht aufspringen.

Fazit: Regisseurin und Schauspielerin April Mullen wechselt das Genre. Ihrem Liebesdrama "Below Her Mouth" fehlt es aber deutlich an erzählerischer Substanz. Das können weder die expliziten, nicht selten voyeuristischen Sexszenen noch Erika Linders beeindruckende Leinwandpräsenz wettmachen.





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