VG-Wort

oder

FBW-Bewertung: Abgeschnitten (2017)

Prädikat wertvoll

Jurybegründung: Der Titel hält was er verspricht. Tatsächlich sind in diesem Thriller viele ab- und aufgeschnittene Körperteile zu sehen, und auch sonst gibt sich der Regisseur Christian Alvart große Mühe damit, eine Atmosphäre des Unwohlseins und des Grauens zu kreieren. So wurde ein Spielort mit einem enervierenden Flickerlicht ausgeleuchtet, und von der ersten Einstellung an wird eine unheilversprechende Spannung erzeugt. Auch die Erzählweise lässt den Zuschauer nicht zur Ruhe kommen. Alle paar Minuten gibt es eine schockierende Wendung, die alles vorher Gesehene in Frage stellt. Dies ist sicher der Vorgabe geschuldet, dass hier ein Roman von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos verfilmt werden soll, und dabei wäre eine subtile Inszenierung ohne Zweifel fehl am Platze. Die Geschichte vom Rechtsmediziner, der versucht, seine entführte Tochter zu retten, ist Krimi mit überraschenden und auch oftmals aberwitzigen Wendungen, die jedoch im Laufe des Films ein wenig an Wirkung verlieren, weil die starken Schockeffekte die Spannung nicht grenzenlos antreiben, sondern sich natürlich auch ein gewisser Gewöhnungsprozess einstellt. Der Plot wird durch die Inszenierung und die Leistungen der Schauspielerdefinitiv glaubwürdiger. Moritz Bleibtreu in der Rolle des Rechtsmediziners Paul Herzfeld und Jasna Fritzi Bauer als Linda, die auf dem sturmgepeitschten Helgoland in einem anderen Sinne abgeschnitten ist, spielen ihre Figuren, die ständig am Rande des Nervenzusammenbruchs sind, überzeugend und stark. Sie sind die einzigen Konstanten und Ruhepole in diesem Thriller, der bei seiner Inszenierung auf Deutlichkeit in jeder Hinsicht setzt. Dies gilt auch für die Besetzung mit Lars Eidinger als sadistischem Triebtäter. Christian Alvart hat mit ABGESCHNITTEN die Vision der dämonischen Fantasiewelt aus der Romanvorlage konsequent durchstilisiert. Und so wirkt alles wie aus einem spannenden und ohne Zweifel auch blutverschmierten Guss.



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