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Kritik: Der Duellist (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nicht nur Hollywood produziert spektakuläre Bilder. Längst mischen auch Nationen wie Indien, China oder Russland im Konzert der Großen mit. Deren Blockbuster sind hierzulande allerdings kaum zu sehen. Aleksey Mizgirevs "Der Duellist" ist solch einer und zeigt, was mit einem – an amerikanischen Verhältnissen gemessenen – vergleichsweise niedrigen Budget alles möglich ist. Die Geschichte stellt Mizgirev dabei hintan.

Die Hauptstadt des Zarenreichs ist bei Mizgirev ein dreckiger Sumpf aus politischen Ränkespielen und Korruption, die auch der beständig niederprasselnde Regen nicht hinwegschwemmt. Maksim Osadchiy-Korytkovskiy packt das in kalte, dunkle Bilder, die nur selten auf Augenhöhe sind. Ist seine Kamera verkantet, ist auch die Gesellschaft aus den Fugen. Während der Pöbel draußen im Schlamm versinkt, diniert die Aristokratie drinnen im edlen Zwirn. Eine im Bau befindliche Brücke verkündet den Anbruch der Moderne. Adel und Militär scheinen derweil gefangen in ihrem überkommenen Ehrenkodex. Bis auf die wenigen handelnden Figuren degradiert der Regisseur die breite Masse zu Statisten, die dem Geschehen auffällig teilnahmslos beiwohnen. Darin Verweise auf Putins Russland zu sehen, wäre aber zu viel des Guten. Dafür bleibt "Der Duellist" zu oberflächlich und schablonenhaft.

Regisseur Mizgirev, der auch das Drehbuch verfasste, ist mehr an Schauwerten und Archetypen denn an historischer Akkuratesse und Figurentiefe interessiert. Wer einen Gesellschaftsroman im Stile Tolstois oder Dostojewskis erwartet, ist im falschen Film. Doch das will "Der Duellist" auch gar nicht leisten. Mit seinem wortkargen Rächer (Pyotr Fyodorov), der gegen die Zwänge der Zeit aufbegehrt, ohne selbst aus ihnen ausbrechen zu können, ist Mizgirevs Historienaction dann auch mehr ein Western im Gewand eines Kostümfilms. Gemäß den Regeln des Genres zelebriert der Regisseur nicht nur die Duelle, sondern auch deren Gewalt detailverliebt und im Hochglanz.

Fazit: "Der Duellist" ist bildgewaltiges Genrekino, ein Western im Gewand eines Kostümdramas. Regisseur und Drehbuchautor Aleksey Mizgirev legt dabei mehr Wert auf Schauwerte und zelebrierte Brutalität denn auf Realismus und Figurentiefe. Das kann sich ebenso sehen lassen wie die Schauspieler.




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