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FBW-Bewertung: Get Out (2017)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Seit George A. Romeros DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN haben Regisseure immer wieder das Genre des Horrorthrillers dafür genutzt, um Sozialkritik in populäre Narrative zu verpacken. Mit Jordan Peele hat sich nun ausgerechnet ein Comedian dieses Genre für sein Regiedebüt ausgesucht und thematisiert den zurzeit besonders sensibel brodelnden Konfliktherd des US-amerikanischen Rassismus auf äußerst kluge und konsequente Weise. Schon die erste Szene, klassisch als Prolog konzipiert, spielt auf bitterbös-ironische Art mit rassistischen Klischees: Ein junger Schwarzer bewegt sich nachts durch eine piekfeine Weißensiedlung. Immer wieder schaut er sich ängstlich um, ihm ist die Gegend eindeutig unheimlich, und so spricht er sich immer wieder Mut zu, bis er plötzlich wirklich überfallen wird. Der Prolog stellt als erzählerischer Vorausblick eine simple, aber wirksame Umkehr des »weißen« Erzählmusters dar, das Gefahr und Spannung für gewöhnlich aus der Tatsache bezieht, dass ein Weißer nachts allein durch ein Schwarzenviertel geht und nicht anders herum.
Sehr geschickt spielt Regisseur und Autor Jordan Peele auch in der Folge mit einer ganzen Reiheähnlicher Klischees und Vorurteile und verwebt sie in das genretypische Erzählmuster. Sei es die Pervertierung des Rassisten-Ideals vom schwarzen Körper und weißem Hirn, sei es die Ironisierung der ?White-Trash-Kultur?« durch die Milch trinkende und den ?Dirty Dancing?-Soundtrack hörende weiße Freundin des Protagonisten oder sei es der Einsturz der liberalen Fassade eines gutbürgerlichen weißen Obama-Wählers: GET OUT konstituiert eine Welt, unter deren scheinbar vorurteilsfreien Oberfläche das rassistische Grauen herrscht.
Vor dem Hintergrund dieses thematischen Diskurses bleibt die reine Ebene des Horrorthrillers unberührt, der Film unterhält und bewahrt sich trotzdem seine gesellschaftliche Relevanz ? ein Resultat, das die Jury gerade für ein Regiedebüt als bemerkenswert einstuft. Die Anforderungen an das Genre sind auch handwerklich sehr gut erfüllt: Kamera und Schnitt helfen, beklemmende Atmosphäre undSchreckmomente adäquat zu setzen, die Effekte stimmen, und die Schauspieler erzeugen erfolgreich jene Verunsicherung, die von den Figuren ausgehen soll. In der Summe ist den Machern ein intelligenter Genrefilm gelungen, der ? das möchte die Jury gerne hervorheben ? vom deutschen Verleih zudemsehr überzeugend synchronisiert wurde.



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