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So viel Zeit
So viel Zeit
© Universum Film

Kritik: So viel Zeit (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Frankfurter Regisseur Philipp Kadelbach begann seine Karriere mit der Realisierung von Werbefilmen, bevor er Anfang der 2010er-Jahre einem breiten (TV-) Publikum bekannt wurde. Mit den auf historischen Ereignissen beruhenden Fernseh-Eventmovies "Hindenburg" (2011) und "Unsere Väter, unsere Mütter" (2013) gelangen ihm bei Kritik und Publikum große Erfolge. "So viel Zeit" beruht auf einem Roman von Frank Goosen, von dem schon einige Bücher fürs Kino adaptiert wurden, darunter "Liegen lernen" und Radio Heimat".

"So viel Zeit" hätte eine tiefgehende und wichtige Themen des Lebens behandelnde Tragikomödie werden können. Die dafür notwendigen Ansätze liefert das Drehbuch, allerdings eben nur in Ansätzen. Auch die entsprechenden Themen für einen melancholischen Film über Männer um die 50 wären vorhanden: allgemeine Lebenskrisen, Scheidungen, ausbleibende berufliche Perspektiven, Stress mit den Kindern, Krankheit und der fehlende Sinn im Leben. Leider entscheidet sich Regisseur Kadelbach bei der Umsetzung für den falschen Weg, da er sich streng an die albern-klamaukige Herangehensweise der Buchvorlage hält.

Und so bedient "So viel Zeit" letztlich nichts weiter als eine Fülle von Klischees und Allgemeinplätzen, die man von "Midlife-Crises"-Filmen zur Genüge kennt. Denn von nichts anderem handelt "So viel Zeit": Von Männern, die ihre zweite Lebenshälfte längst erreicht haben und sich nicht damit abfinden wollen, dass die besten Tage hinter ihnen liegen. Getreu dem Motto: Kann das alles gewesen sein? Die ihrer Vergangenheit nachtrauernden "Rock-Opas" verhalten sich nicht selten wie Männer um die 30, die ein oberflächliches Rockstar-Dasein führen und für die es nichts Wichtigeres zu geben scheint als die Freundschaft untereinander. Das alles ist weitestgehend harmlos und tut beim Zusehen nur selten weh. Anders verhält es sich beim Umgang mit den Themen Krankheit und Tod.

Dass der Film Rainers Krebserkrankung nur dann thematisiert, wenn es der Handlung gerade dienlich ist, ist die eine Sache. Die andere, weit schwerwiegendere aber ist es, diesem Thema in keiner Weise mit dem nötigen Ernst und der erforderlichen Tiefgründigkeit zu begegnen. Das wird bereits in jener Szene deutlich, in der Rainer die Diagnose von seiner Ärztin übermittelt bekommt. Feingefühl sieht anders aus.

Fazit: In Anflügen sympathische, alles in allem aber viel zu überdrehte und klamaukige Feelgood-Komödie, die das Thema "Krankheit" viel zu oberflächlich und schlampig behandelt.




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