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Small Town Curtains
Small Town Curtains
© Kulturprojektor

Kritik: Small Town Curtains (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Small Town Curtains" ist ein Zwitterfilm, was sich dem Publikum aber erst nach und nach erschließt. Dabei ist diese Zwitterhaftigkeit bereits in der knapp zweiminütigen Eingangssequenz angelegt. Wenn die fünf erwachsenen Kinder ans Sterbebett ihres Vaters eilen, wechseln bunte mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen, sanfte Kameraflüge mit unruhiger Handkamera, inszenierte Szenen mit Archivaufnahmen.

Regisseur Johan Löfstedt erzählt eine Geschichte aus der Provinz – darauf weist bereits der Originaltitel hin, der im Deutschen "Kleinstadt" bedeutet. Zwar ist durch den Krieg in Syrien die Weltpolitik längst auch in Schwedens Kommunen angekommen und durchdringt Gunillas Berufs- und Privatleben. Abseits davon sind die kleinen Alltagssorgen und -nöte der fünf Geschwister aber Probleme und Problemchen der Ersten Welt: der Schmerz, wenn die Kinder das Elternhaus verlassen, der Wunsch nach Veränderung und Selbstverwirklichung im Alter, die Angst vor einem plötzlichen Tod.

Löfstedt schenkt nicht allen Geschwistern die gleiche Aufmerksamkeit, konzentriert sich auf Björn (Björn Löfstedt), Catarina (Catarina Löfstedt), Gunilla (Gunilla Carlsén) und Monicas Ehemann Bengt (Bengt Sturzenbecker), weil der das Familienarchiv digitalisiert. Durch dessen Arbeit streut Löfstedt wiederholt alte Videoaufnahmen von Feiern und gemeinsamen Urlauben ein, und das Publikum stellt verwundert fest, dass alle Geschwister gemeinsam darin zu sehen sind. Erst ganz am Ende löst er das Geheimnis auf, das die Zuschauer da längst ahnen: Für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm hat der Regisseur seine Verwandtschaft gecastet, die sich quasi selbst spielt.

Diese Mischung aus Fiktion und Dokumentarischem hat starken Einfluss auf die Dramaturgie. Zwar setzt Johan Löfstedts und Anna Potters Drehbuch vereinzelt Höhepunkte im Leben der Geschwister, die meiste Zeit sieht der Film ihnen jedoch bei den Belanglosigkeiten des Alltags zu. Dann unterhalten sich Ehepaare in der Küche, was dieser oder jene heute oder gestern zu ihnen am Telefon gesagt hat. Das ist zwar authentisch, aber auch langweilig und will sich nie so recht in die diesen Leben übergestülpte Handlung fügen. Dazu passt ins Bild, dass Löfstedt auch visuell keine klare Linie findet. Der Sinn hinter dem beständigen Wechsel zwischen Schwarz-Weiß- und Farbaufnahmen erschließt sich bis zum Schluss nicht.

Fazit: Regisseur Johan Löfstedt erzählt in "Small Town Curtains" von den kleinen Alltagssorgen einer Großfamilie. Seine Mischung aus Fiktion und Dokumentarischem lässt allerdings ebenso eine klare Linie vermissen wie seine formalen Spielereien. "Small Town Curtains" ist ein ruhiger, nachdenklicher Film, dem etwas mehr Dramaturgie gutgetan hätte.




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