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Grand Hotel
Grand Hotel
© Kulturprojektor

Kritik: Grand Hotel (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur Arild Fröhlich zeichnete mit Komödien wie "Fatso" (2008) und den "Doktor Proktor"-Kinderfilmen (2014, 2015) bislang eher für derbe Späße und ausgelassenen Klamauk verantwortlich. In "Grand Hotel" geht es nun deutlich ruhiger und nachdenklicher, aber nicht weniger amüsant zu.

Megan Gallaghers Drehbuch erzählt von einem grantigen alten Mann (Atle Antonsen), der durch die Freundschaft zu einem unbedarften Jungen (Håkon Bøhmer) geläutert wird. Was die beiden verbindet, sind ihre Krankheiten, die sie zu Außenseitern machen. Hier der alkoholsüchtige Schriftsteller, der sich aus Verachtung für seine Mitmenschen von der Welt zurückgezogen hat, dort der Schüler mit Tourettesyndrom, dessen Umwelt vor ihm zurückschreckt. Die Geschichte ist altbekannt, aber immer wieder aufs Neue unterhaltsam, wenn sie so gelungen geschrieben, gespielt und inszeniert ist wie in "Grand Hotel".

Atle Antonsen gibt den Schriftsteller Axel Farstad als selbstgefälliges Aas, verleiht ihm dabei aber stets gerade so viel Eleganz, Coolness und Charme, dass das Publikum gar nicht umhinkommt, diesen eitlen Geck ins Herz zu schließen. Das liegt freilich auch am gelungenen Zusammenspiel mit Håkon Bøhmer als Noah und Vera Vitali als dessen Mutter Hannah. Hier stimmt nicht nur die Chemie, Gallagher vermeidet es auch, die Behinderungen ihrer Figuren für allzu platte Gags auszuschlachten oder den beiden Erwachsenen eine unrealistische Romanze anzudichten, wie das wohl in einer amerikanischen Variante zwangsläufig der Fall gewesen wäre. Stattdessen bleibt Farstad Hannah gegenüber bis zuletzt erfrischend schroff.

Regisseur Fröhlich setzt das routiniert und unaufgeregt in Szene. Aus einem Lachen über wird schnell eines mit den Figuren und schließlich Mitgefühl, da die drei Protagonisten dieser dysfunktionalen Ersatzfamilie ihre anfängliche Schablonenhaftigkeit schnell ablegen und in die Tiefe gehen.

Fazit: Regisseur Arild Fröhlich schlägt in seiner jüngsten Komödie deutlich nachdenklichere Töne an. "Grand Hotel" erzählt zwar keine neue Geschichte, dank wunderbarer Schauspieler, witziger Einfälle und überzeugender Dialoge aber eine ebenso mitreißende wie amüsante.




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