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Die Kanadische Reise
Die Kanadische Reise
© temperclayfilm production & distribution GbR

Kritik: Die Kanadische Reise (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Bereits in seinem bisherigen Œuvre – etwa in "Keine Sorge mir geht's gut" (2006) oder in "Welcome" (2009) – demonstrierte der 1955 geborene, französische Filmemacher Philippe Lioret ein Talent für feinfühlig erzählte Geschichten mit sorgsam entwickelten Figuren. An diese Stärken knüpft er mit seiner neuen Arbeit "Die kanadische Reise" nahtlos an und liefert ein angenehm zurückhaltendes Werk über Familie, Verbundenheit und Verantwortung.

Pierre Deladonchamps ("Der Fremde am See") verkörpert den Protagonisten Mathieu als stillen, unaufdringlichen Beobachter, der dennoch niemals passiv erscheint. Im Umgang mit seinem kleinen Sohn zeigt sich, dass Mathieu ein liebevoller Vater ist, der allerdings von der Nachricht des Todes seines eigenen, biologischen Vaters, den er nicht kannte, aus dem seelischen Gleichgewicht gebracht wird. Es gelingt Deladonchamps, Mathieus Neugier auf eine Begegnung mit dessen Halbbrüdern und zugleich die Unsicherheit sowie die Enttäuschung des jungen Mannes im Laufe der Handlung nachvollziehbar zu vermitteln. Obendrein harmoniert der Hauptdarsteller ganz wunderbar mit Gabriel Arcand, der Pierre – den alten Freund von Mathieus leiblichem Vater – auf leicht mürrische, aber äußerst sympathische Art und Weise spielt. Auch Mathieus Begegnungen mit Pierres Ehefrau sowie mit Pierres alleinerziehender Tochter sind Momente voller Wärme und Menschlichkeit, die ohne Kitsch und ohne großes Drama authentisch präsentiert werden.

"Die kanadische Reise" kommt ohne Zuspitzungen aus und ist dabei doch niemals langweilig. Dank des einnehmend agierenden Ensembles, den unprätentiösen Dialogen sowie der gediegenen filmischen Umsetzung können wir an einem Stück Leben teilhaben, uns in die Situationen der Figuren hineindenken und mit diesen Menschen Erfahrungen sammeln, die ebenso schmerz- wie wertvoll sind.

Fazit: Eine im besten Sinne ruhig und zurückgenommen erzählte Familiengeschichte mit glaubwürdigen Figuren, die sehr überzeugend interpretiert werden.





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