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Sie nannten ihn Spencer
Sie nannten ihn Spencer
© Neue Visionen

Kritik: Sie nannten ihn Spencer (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Karl-Martin Pold liefert mit "Sie nannten ihn Spencer" (der Titel ist angelehnt an den Spencer-Film "Sie nannten ihn Mücke") sein Langfilm-Debüt ab. Zuvor realisierte er bereits einige Kurzfilme. Die beiden Protagonisten des Films, Marcus Zölch und Jorgo Papasoglou, wurden gecastet, sind aber auch im wahren Leben große Fans der Filme von Bud Spencer und Terence Hill. Beide sind nicht frei von gesundheitlichen Einschränkungen: der Berliner Papasoglou ist blind, der Augsburger Zölch wäre nach einem Unfall fast im Rollstuhl gelandet und musste mühsam wieder das Laufen erlernen. Die Zwei eint die Hingabe und Leidenschaft für Spencer und Hill. Natürlich ist es dabei kein Zufall, dass sie ihren Idolen auch noch ähnlich sehen.

Viel Neues erfährt der Filmfan über Bud Spencer, diese bemerkenswerte Naturgewalt von einem Mann, der sich – trotz Sehschwäche – in dutzenden Berufen erfolgreich behauptete, in "Sie nannten ihn Spencer" leider nicht. Vielmehr ist das Werk eine filmische Liebeserklärung von Fans für Fans geworden, aber – das steht zweifelsfrei fest – eine enorm aufwendige und unterhaltsame. Denn Regisseur Pold, der viele Jahre an seinem Debüt arbeitete, spickt seinen Film mit unzähligen tollen, nostalgischen Ausschnitten aus den bekannten Filmen vom schlagkräftigen Duo Spencer/Hill. Die ausgewählten Szenen baut er an dramaturgisch passenden und sinnvollen Stellen ein. Darüber hinaus veredelt er sein Werk mit alten Fotos und Archivaufnahmen, vor allem aus Spencers/Pedersolis Zeit als Schwimmer.

Zudem lässt er das Duo Papasoglou/Zölch auf viele Weggefährten von Spencer (der im Film selbst leider nicht zu Wort kommt) treffen, darunter Filmschaffende und Schauspielkollegen wie Terence Hill. Nicht zuletzt kommen in "Sie nannten ihn Spencer", der im Übrigen von Terence-Hill-Synchronstimme Thomas Dannenberg erzählt wird, aber auch Fans zu Wort. Spencer-Verehrer und Fans der Kult-Klassiker sowie allseits bekannten Prügel-Komödien, von "Zwei wie Pech und Schwefel" über "Vier Fäuste für ein Halleluja" bis hin zu "Die Miami Cops".

An manchen Stellen wirkt der Film daher ab und an wie eine distanzlose Lobhuldigung, dem die nötige objektive Haltung zum Sujet fehlt – auch wenn er über die gesamte Zeit hinweg verdeutlicht, dass hier echte Fans beteiligt sind. Sowohl vor als auch hinter der Kamera. Nur ist das Fan-Sein nicht immer die beste Voraussetzung für die sachliche Annäherung an ein Thema, auch wenn es sich um ein augenzwinkerndes, unterhaltsames handelt.

Die Rahmenhandlung des Films um die beiden quer durch Europa reisenden Fans wirkt alles in allem zu künstlich und gestellt. Was sie freilich auch ist (gescripted also), nur merkt man es den entsprechenden Szenen allzu deutlich an. Schließlich sind Papasoglou/Zölch schlicht keine gelernten Schauspieler. Dennoch: ganz kalt lässt einen ihre turbulente Reise, auf der natürlich so manches schief geht, dann wiederum auch nicht. Dafür sind sie zu sympathisch und liebenswert, scripted Reality hin oder her.

Fazit: Aufwendige filmische Liebeserklärung an Bud Spencer, die zwar nicht viel Neues zur Figur hinter der Schauspiel-Legende beitragen kann aber u.a. aufgrund des hohen Nostalgie-Faktors und der großartigen Film-Schnipsel dennoch sehr sehenswert geraten ist.





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