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Der Tod von Ludwig XIV. (2017)

Historiendrama: Albert Serra zeigt die letzten Tage im Leben des Sonnenkönigs als düsteres Kammerspiel.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
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Seit 72 Jahren regiert Ludwig XIV. nun schon sein Reich, unter seiner Herrschaft ist Frankreich zur größten Macht Europas aufgestiegen. Doch auch ein absolutistischer Herrscher ist vor körperlichem Gebrechen nicht sicher: Als der alternde Ludwig eine Tages einen Schmerz im linken Bein bemerkt, beginnen die letzten Tage im Leben des Sonnenkönigs. Während seine besorgten Diener und sein Leibarzt Fagon nach Heilung für den kranken Herrscher suchen, fallen Ludwig selbst die alltäglichsten Dinge immer schwerer. Er kann sich kaum noch aus dem Bett bewegen und selbst das Schlucken von Nahrung ist mit immer größeren Schmerzen verbunden. Schließlich wird allen klar, dass der Tod des Königs bloß noch eine Frage von wenigen Tagen ist und eine Ära sich ihrem unaufhaltsamen Ende entgegen neigt.

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Oftmals scheinen Historienfilme nicht weniger als eine ganze Epoche auf die Leinwand bannen zu wollen: Filmemacher zelebrieren wahre Ausstattungsorgien, schwelgen in der Opulenz von berauschenden Filmsets und lassen mitunter innerhalb von Minuten ebenso Jahrzehnte wie Menschenleben vorüberziehen. Albert Serras "Der Tod von Ludwig XIV." mag nun kein Abgesang auf die Tugenden des typischen Kostümdramas sein – doch der katalanische Regisseur und Drehbuchautor beweist mit seinem aktuellen Film erneut Eigenwilligkeit.

Denn obwohl einer der ganz Großen der Weltgeschichte im Zentrum von "Der Tod von Ludwig XIV." steht, zeichnet sich dieses faszinierende Drama in erster Linie durch die Intimität aus, mit der es das Publikum am Sterben des Protagonisten teilhaben lässt. Nahaufnahmen führen die Zuschauer bereits in den ersten Szenen ganz nah an den Hauptdarsteller Jean-Pierre Léaud ("Sie küssten und sie schlugen ihn", 1959) heran, der mit müdem Blick und viel Stöhnen und Seufzen den dahinsiechenden Sonnenkönig gibt.

So schmerzhaft allein das Zuschauen bisweilen sein mag, es ist schwer sich Léauds grandioser Performance sowie den malerischen Bildern von Jonathan Ricquebourg zu entziehen. Wie Serra außerdem das zum Exzess neigende Kostümdrama in ein leises Kammerspiel von beinahe dokumentarischer Präzision überführt, ist nicht weniger bemerkenswert – und zudem eine sinnige Vorgehensweise. Denn erst nachdem die gesamte ikonografische Last, mit der sich Ludwig XIV. selbst als großer Kriegsherr und göttergleicher Herrscher inszenierte, von der Hauptfigur abgefallen ist, wird die Menschlichkeit des Sonnenkönigs erfahrbar. Der Bruch zwischen Allmachtsfantasien und Sterblichkeit ist am Beispiel von Ludwig XIV. selbstverständlich ins Extreme gezerrt, lässt das Publikum aber zugleich auf gekonnte Weise in die Abgründe der eigenen Existenz schauen.

Fazit: Albert Serras "Der Tod von Ludwig XIV." lässt aus einem typischen Kostümfilm ein Kammerspiel von beinahe dokumentarischer Präzision werden. Neben dem grandiosen Hauptdarsteller sowie den malerischen Bildern fasziniert vor allem der mitunter schmerzvolle Blick auf die menschliche Ohnmacht im Angesicht des Todes.




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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Frankreich, Spanien
Jahr: 2017
Genre: Drama, Historie
Länge: 115 Minuten
Kinostart: 29.06.2017
Regie: Albert Serra
Darsteller: Jean-Pierre Léaud als Louis XIV, Patrick d'Assumçao, Marc Susini
Verleih: Grandfilm

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