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Der Tod von Ludwig XIV.
Der Tod von Ludwig XIV.
© Grandfilm

Kritik: Der Tod von Ludwig XIV. (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Oftmals scheinen Historienfilme nicht weniger als eine ganze Epoche auf die Leinwand bannen zu wollen: Filmemacher zelebrieren wahre Ausstattungsorgien, schwelgen in der Opulenz von berauschenden Filmsets und lassen mitunter innerhalb von Minuten ebenso Jahrzehnte wie Menschenleben vorüberziehen. Albert Serras "Der Tod von Ludwig XIV." mag nun kein Abgesang auf die Tugenden des typischen Kostümdramas sein – doch der katalanische Regisseur und Drehbuchautor beweist mit seinem aktuellen Film erneut Eigenwilligkeit.

Denn obwohl einer der ganz Großen der Weltgeschichte im Zentrum von "Der Tod von Ludwig XIV." steht, zeichnet sich dieses faszinierende Drama in erster Linie durch die Intimität aus, mit der es das Publikum am Sterben des Protagonisten teilhaben lässt. Nahaufnahmen führen die Zuschauer bereits in den ersten Szenen ganz nah an den Hauptdarsteller Jean-Pierre Léaud ("Sie küssten und sie schlugen ihn", 1959) heran, der mit müdem Blick und viel Stöhnen und Seufzen den dahinsiechenden Sonnenkönig gibt.

So schmerzhaft allein das Zuschauen bisweilen sein mag, es ist schwer sich Léauds grandioser Performance sowie den malerischen Bildern von Jonathan Ricquebourg zu entziehen. Wie Serra außerdem das zum Exzess neigende Kostümdrama in ein leises Kammerspiel von beinahe dokumentarischer Präzision überführt, ist nicht weniger bemerkenswert – und zudem eine sinnige Vorgehensweise. Denn erst nachdem die gesamte ikonografische Last, mit der sich Ludwig XIV. selbst als großer Kriegsherr und göttergleicher Herrscher inszenierte, von der Hauptfigur abgefallen ist, wird die Menschlichkeit des Sonnenkönigs erfahrbar. Der Bruch zwischen Allmachtsfantasien und Sterblichkeit ist am Beispiel von Ludwig XIV. selbstverständlich ins Extreme gezerrt, lässt das Publikum aber zugleich auf gekonnte Weise in die Abgründe der eigenen Existenz schauen.

Fazit: Albert Serras "Der Tod von Ludwig XIV." lässt aus einem typischen Kostümfilm ein Kammerspiel von beinahe dokumentarischer Präzision werden. Neben dem grandiosen Hauptdarsteller sowie den malerischen Bildern fasziniert vor allem der mitunter schmerzvolle Blick auf die menschliche Ohnmacht im Angesicht des Todes.





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